Als Weißer unter lauter Schwarzen wächst Elvis Aaron Presley Ende der 1930 Jahre in Tupelo, Mississippi, auf. Er teilt das Los seiner armen Spielkameraden, nimmt aber zugleich ganz viel von deren Lebensmut und gospelbestimmter Musikalität mit.

Weißer Junger mit schwarzen Hüften

Einige Jahre später wird er daher als Weißer mit den schwarzen Hüften Karriere machen. Erst in der Beale Street von Memphis. Da hat der junge Elvis gerade bei Sun Records seine erste Single herausgebracht. Das öffnet ihm wiederum die Türen zu landesweiten Country-Konzerten, bei denen er im Vorprogramm auftritt, bald aber zum Hauptact avanciert. Vor allem das weibliche Publikum liegt dem jungen Mann mit den weichen Gesichtszügen und der üppigen Haarpracht zu Füßen.
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Im reaktionär beherrschten Süden allerdings wird der neue Bühnenschwung als obszön betrachtet, droht die Sitte mit Gefängnis. Elvis muss für zwei Jahre zum Militärdienst nach Deutschland. Doch die angestrebte Image-Wandlung, die er geschickt zur Provokation nutzt, macht ihn nur noch berühmter. Alles andere dann ist Geschichte. Elvis, der nie auf große Tour außerhalb der USA ging, wird zum weltumspannenden Rock‘n‘Roll-Star.

Elvis lebt in Austin Butler fort

Der ist vor nunmehr 45 Jahren gestorben. Doch Baz Luhrmann lässt ihn wieder auferstehen. Mit Austin Butler in der Hauptrolle gerät das zweieinhalbstündige Biopic geradezu zu einer Hommage an einen großen Sänger und Entertainer, ungeachtet all dessen, was es an Negativem aus dem Leben vom King zu berichten gibt. Das projiziert der Regisseur, der auch am Drehbuch beteiligt war, vor allem auf Colonel Tom Parker, den zwielichtigen Manager des Sängers. Den gibt, wunderbar in einen Fatsuite gekleidet, ein mitunter kaum wiedererkennbarer Tom Hanks.

Das Leben des Kings im Schnelldurchlauf

Auch wenn knapp 160 Minuten sich lang anhören, Luhrmann rast förmlich durch den dargestellten Lebenszeitraum. Vor allem die erste Hälfte des Films vergeht dabei wie im Fluge. Der Regisseur setzt die verschiedene Ereignisse teils collagenartig zusammen, nutzt Splitscreens und Comic-Elemente. So geraten selbst Teile des Alltags zur Show. Und zu der gehört einfach Musik. Ob nun Blueserin Big Mama Thornton ein ums andere Mal Filmzeit erhält, B.B. King oder Little Richard - es gibt so gut wie keine ruhige Minute. Das freilich ändert sich im weiteren Verlauf, weil auch das Leben des Kings hinter den Kulissen ruhiger, gar einsamer wurde.

Perfektes Show-Bizz

Neben der inhaltlich herausragenden Darstellung darf die ästhetisch-bildliche nicht unberücksichtigt bleiben. Luhrmann setzt sowohl auf farbliche Opulenz ebenso wie bei der Ausstattung. So lässt der Film nie auch nur leisen Zweifel daran aufkommen, dass es sich um ein Thema aus dem Show-Bizz handelt. Und da ist eben alles bunter, greller, lauter, glitzernder. Insofern lohnt im Heimkino der Griff zu großen Bildschirmen und 4K-UHD-Auflösung. Denn die Kombi aus beidem ermöglicht noch besser, tief ins Geschehen einzutauchen. Und dann ist der Zuschauer vielleicht auch der Meinung: Der King lebt - für immer!

Elvis

Genre: Unterhaltung; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 159 Minuten; Verleih: WHV; Regie: Baz Luhrmann;Tom Hanks, Austin Butler, Olivia DeJonge; USA 2022