Bei Marc-Uwe Kling, Künstler mit Migräne-Hintergrund, zieht ein sprechendes Känguru ein. Damit ist mitnichten der Höhepunkt des Unglaublichen erreicht, sondern erst dessen Anfang.
Woher, wohin, warum - all diese Fragen interessieren Marc-Uwe nicht. Auf der Flucht vor der Staatsmacht nistet sich das Beuteltier in der Wohnung des Kleinkünstlers ein und ist damit genau am richtigen Platz. Nicht nur, weil Klings laxer Lebensstil zur Tagesplanungund Weltanschauung des haarigen Mitbewohners passt.

Klassenkampf in Kreuzberg

Der überzeugte Kommunist bekommt zudem gleich Gelegenheit, den Klassenkampf sozusagen vor der Haustür zu führen. Denn mit Jörg Dwigs versucht gerade ein Immobilien-Hai, das Viertel zu gentrifizieren. Dazu hat der Porsche-Fahrer nicht nur eine blonde Sturmfrisur, sondern trägt seine Weltanschauung, konträr zum Känguru, auch offen zur Schau.

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Podcast und Buch, nun der Film. Wohl allein schon der Umstand, dass hier inhaltlich einiges gestrafft, gekürzt und weggelassen werden musste, führt zu einer Ansammlung von Klischees. Zudem ist die Vorlage schon gut ein Jahrzehnt alt und wurde drehbuchseitig etwas den heutigen Verhältnissen angepasst. Nicht zuletzt sollte der Film ja auch jene ansprechen, die keine Vorerfahrungen mit dem sprechenden Kommunisten-Känguru hatten. Kurzum, blendet man mal das Beuteltier aus, bleibt eine eher banale Kiezgeschichte übrig, wie sie natürlich auch in Hamburg oder anderen Städten mit alternativen Ecken hätte stattfinden können.

Ob Berlin, Hamburg oder sonst wo

Vor allem zu Beginn gelingt es Dani Levy dennoch, einige gute Gags zu platzieren, die für allgemeine Unterhaltung sorgen. Der Überraschungseffekt, der natürlich auch auf dem Umstand gründet, dass hier ein sprechendes Tier mitmischt, nutzt sich allerdings mit der Zeit ab. Und so muss dann zu einem gewissen Grad Anarcho-Humor, politisch von links bis rechts angesiedelt, her, um für gute Laune zu sorgen.
Das Geschehen bleibt so unterhaltsam, aber auch recht vorhersehbar. Denn wie auch Kling ist dessen Umwelt ebenso wenig überrascht, dass ein Känguru mitmischt. Dessen Darstellung ist im übrigen wirklich gut gelungen und tatsächlich schauspielerisch ein Highlight der Inszenierung.

Die Känguru-Chroniken


Genre: Komödie; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 92 Minuten; Verleih: X-Verleih/WHV; Regie: Dani Levy; Volker Michalowski, Henry Hübchen, Dimitrij Schaad; D 2020