Sie sind unter uns. Seit Jahrtausenden. Doch erst bei einem ungewöhnlichen Erdbeben in London treten sie zutage, die Eternals. Eine Gruppe gottgleicher Wesen, die die Menschen in ihrer Entwicklung nicht nur begleitet, sondern geradezu angetrieben haben.

Geburt eines neuen Gottes

Zugleich sind aber Sersi und ihre Mitstreiter zum Schutz der Erdlinge angetreten. Denn neben den Eternals gibt es noch die Deviants. Eine Form von Prediatoren, bei deren Entwicklung durch den großen Übervater etwas schiefgelaufen ist. Dennoch haben diese, sozusagen als negativer Teil des Gleichgewichts der Dinge, einen festen Platz im Universum.

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Das beide Seiten in der Jetzt-Zeit auftauchen, ist kein Zufall. Denn die Erde ist reif für die Geburt eines neuen Gottes, für den sie bisher als Gebärmutter diente. Das allerdings hat Folgen für Planet, Mensch und Tier, wie den zehn Eternals mit einem Schlag bewusst wird. Damit wäre nämlich ihre Aufgabe erledigt, ihre Daseinsberechtigung dahin. Das wiederum ruft Widerstand hervor, allerdings nicht bei allen. So muss sich jeder einzelne entscheiden, gegen die Vorsehung und auch die Mitstreiter anzutreten oder einfach den Lauf der Dinge zu aktzeptieren.

Neues im Marvel Cinematic Universe

Das Marvel Cinematic Universe ist zwar groß, aber filmisch eigentlich schon gut vertreten. Um so erfreulicher, dass die Studios hier nun mit einem neuen Ansatz kommen, der in bisherigen Produktionen noch keine Rolle gespielt hat. Für die Umsetzung wurde mit Chloé Zhao ein echtes Regie-Schwergewicht gewonnen, die mit „Nomadland“ vergangenes Jahr immerhin einen Oscar gewann. Wie schon damals hat die in den USA lebende Chinesin auch für „Eternals“ das Drehbuch geschrieben. Eine Mammut-Aufgabe. Nicht weniger als zehn Charaktere müssen hier über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren gleichberechtigt behandelt werden. So erklären sich auch die rund zweieinhalb Stunden, die das Epos bis zum vorläufigen Ende benötigt. Der Cliffhanger macht jedoch ziemlich deutlich, dass noch nicht Schluss ist.

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Meilensteine der Menschheitsgeschichte

Trotz der Länge verbreitet das zwischen Fantasy, Sci-Fi und Action angelegte Epos keine Langeweile. In erster Linie, weil Story und Erzählweise stimmig sind. Dann aber auch, weil Figuren und Handlung sich in ständiger Bewegung befinden. Ort und Zeit wechseln im raschen Rhythmus, der Zuschauer begleitet die Helden durch manche Highlights oder Meilensteine der menschlichen Entwicklung, ohne, dass ständig mit dem Zeigefinger darauf hingewiesen werden müsste. Das ist sehr unterhaltsam, sowohl inhaltlich wie auch optisch. Und neben dem großen Ganzen ist Zhao auch das Detail wichtig. Etwa beim Liebesleben von eingangs erwähnter Sersi, die sowohl mit ihresgleichen wie mit einem Sterblichen verbändelt war.

Inhalt, Technik, Besetzung top

Die durchaus schlüssigen Erzählstränge werden mit steter Regelmäßigkeit durch Action-Einlagen aufgelockert. Fürs Publikum Gelegenheit, kurz abzuschalten und einfach Kampf-Choreo und deren technische Umsetzung zu genießen. Denn über den inhaltlichen Part hinaus ist „Eternals“ ebenso ein echter Hingucker. Die Laseraugen des Ikaris hat man vielleicht so schon mal gesehen, aber viele der anderen Fähigkeiten der Truppe und vor allem Aussehen und Auftreten der Deviants adeln das CGI-Team. Last but not least hat sich Zhao ein echt gutes Ensenble zusammen gecastet. Neben Schwergewichten wie Angelina Jolie und Selma Hayek finden sich Newcomer wie Harry Styles oder aufstrebende Mimen wie Richard Madden. Dazu kommen fast schon Nonames hierzulande. Als Gruppe funktionieren sie alle aber gleichberechtigt und gleich gut. Am Ende ist „Eternals“ ein echtes Epos, eine runde, schön erzählte Geschichte, der in gewissen Grenzen auch Logik nicht fremd ist. Ein richtiges Film-Abenteuer, das tatsächlich Lust auf mehr macht.

Eternals

Genre: Fantasy; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 157 Minuten; Verleih: Marvel/Disney; Regie: Chloé Zhao; Angelina Jolie, Gemma Chan, Richard Madden; USA 2021