18 Jahre, nachdem sich Chung-hee Park an die Macht geputscht hatte, wird der südkoreanische Präsident erschossen. Ausgerechnet von seinem Geheimdienst-Chef.
Der galt eigentlich als treuer Gefährte des Diktators und war zudem erst seit kurzem im hohen Amt. Abgelöst hatte er Yong-gak Park, der in die USA geflohen war und dort als Zeuge in einem Korruptionsprozess aussagen sollte, in dessen Mittelpunkt wiederum Präsident Park stand. Zudem hatte der Abtrünnige offensichtlich seine Memoiren geschrieben, in denen er den Machthaber in Seoul schwer belastete.

Ex-Geheimdienst-Chef wird zur Bedrohung

So wird der Chef vom KCIA nach Washington entsandt. Gyu-pyeong Kim soll Park wenigstens davon abbringen, seine Lebensbeichte zu veröffentlichen. Das gelingt. Kim reist nach Südkorea mitsamt der brisanten Papiere zurück. Aber auch mit Informationen, die ihm schwer zusetzen. Denn der Grund für Parks Abgang war wohl offensichtlich, dass der Regent einen weiteren, privaten Geheimdienst beschäftigt, der an allen Kontrollinstanzen vorbei defacto das Land regierte. Kim und weitere Gesinnungsgenossen sehen so nur eine Chance, etwas zu retten: Der Diktator muss sterben.

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Das eher ruhige Spiel guter Polit-Thriller, in denen erst gedacht, dann gesprochen und schließlich gehandelt wird, scheint so gar nicht mit der hektischen Art asiatische Filme einhergehen zu wollen. Min-ho Woo beweist mit seiner Produktion jedoch, dass der Westen im allgemeinen und Hollywood im speziellen dieses Genre nicht gepachtet haben. Seine Aufarbeitung der Geschehnisse vor den tödlichen Schüssen im Jahr 1979 folgt eben genau jenen Spielregeln, die einen guten Polit-Thriller ausmachen. Um den womöglich unwissenden Zuschauer gleich von Anbeginn an in den Bann zu ziehen, nimmt der Regisseur die Tat in den ersten Filmminuten vorweg und beschreitet dann den Weg der Erklärung.

Authentisch in Washington und Paris gedreht

Die ist zugegebener Maßen für westliche Zuschauer mitunter ein wenig mühsam, da die für uns sperrigen Namen auseinanderhalten zu können große Aufmerksamkeit braucht. Um so mehr, wenn Opfer und Intrigant auch noch beide Park heißen. Zum Glück wählte die Geschichte einst so unterschiedliche Typen aus, dass es über den visuellen Weg leichter zu verstehen ist. Apropos: In Washington und Paris wurde gedreht, das Setting ist dabei sichtlich bemüht, historisch authentisch rüber zu kommen. Auch wenn die Orte mitunter einen schon fast verlassenen Eindruck machen - auch Ende der 1970 war man wohl auf der National Mall nicht allein - so stimmen die Kulissen und sorgen für die richtige Atmosphäre.
Min-ho Woo gelingt so ein dichter, leider etwas zu langer, aber ansonsten sehr stimmiger Polit-Thriller, dessen Bedeutung wir allerdings kaum richtig einschätzen können. Denn in Südkorea ist das Attentat längst nicht vollumfänglich aufgearbeitet, scheiden sich immer noch die Geister an Park, dem Präsidenten.

Das Attentat - The Man Standing Next


Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 114 Minuten; Verleih: Capelight; Regie: Min-ho Woo;Byung-hun Lee, Sung-min Lee, Do-won Kwak; KOR 2020