Ganz viel von allem bringt nun Asif Kapadia abendfüllend dem Publikum näher. In seiner einzigartigen Dokumentation porträtiert er nicht nur den Argentinier, sondern gibt teils seltene, mitunter nie in der Öffentlichkeit gezeigte Aufnahmen preis. Vieles davon stammt aus Maradonas Privatarchiv. Dabei arbeitet der Regisseur das Leben seines Helden nicht einfach ab. Er beginnt in Neapel und kehrt erst später zu den Anfängen zurück. Er zeigt den Superstar, den begnadeten Spieler, aber auch das enfant terrible, jenen Typen, der sich gern im Rampenlicht und auf Partys sonnt. Und der Brite geht ebenso wenig den womöglichen Mafia-Verbindungen aus dem Weg. Das alles ist wirklich spannend und abwechslungsreich zusammengestellt worden. Es gibt die bekannten Highlights sportlicher Art und die interessanten Einblicke jenseits des Platzes. Kapadia setzt ein Sitten- und Zeitgemälde der Maradona-Jahre zusammen, das selbsterklärend für die Entwicklung des Stars wirkt. Je nach persönlichem Geschmack - und es ist anzunehmen, dass die Sportfans die Mehrheit der Zuschauer ausmachen - hätte sich der eine oder andere sicher noch tiefere Einblicke gewünscht. Doch mit über zwei Stunden ist die Doku lang genug. Es fehlen wohl keine Details, die entscheidend für die Entwicklungen gewesen wären, alles andere scheint da Geschmackssache. Insofern ist das filmische Porträt ein durchweg interessanter Streifzug durch die Zeit- und Fußballgeschichte vor allem der 1980-er Jahre.
Genre: Doku; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 130 Minuten; Verleih: dcm; Regie: Asif Kapadia; GB 2019