Nachdem sie mit ansehen musste, wie ihre Mutter zu Tode kommt, wächst die zwölfjährige Estella in London zusammen mit den Straßenjungs Jasper und Horace auf. Sie sichern sich ihren Lebensunterhalt mit kleinen Gaunereien. Aber als Twen ist das der jungen Frau dann zu wenig. Sie träumt von einem richtigen Job, am besten bei Libertys, dem Kaufhaus mit der angesagtesten Mode.

Aus Ehrgeiz wird Rache

Der Wunsch wird zwar Wirklichkeit, der Traum erfüllt sich aber (noch) nicht. Denn bevor Estella rein zufällig von der Baronin entdeckt wird, die für die außergewöhnlichsten Couture-Kreationen steht, ist sie als schlichte Putze angestellt. Das ändert sich in rasantem Tempo. Denn zwar ist die Mode-Adlige mehr als von sich überzeugt, schöpft aber vor allem aus dem Kreativ-Pool ihrer Angestellten. Und da weiß sie, was sie an der eher unscheinbaren Brünetten hat.
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Der bleibt freilich nicht verborgen, dass sie hier ausgenutzt wird und sieht das eine Zeit lang zumindest als den Preis, den sie für eine Karriere im Modebusiness zahlen muss. Dann aber erfährt Estella, dass die Baronin direkt Schuld am Tode der Mutter ist. Von nun an treibt sie nicht nur Ehrgeiz, sondern auch Rache. Aus Estella wird Cruella, schrill, rücksichtslos und unberechenbar. Sie will die Baronin da treffen, wo es der am meisten weh tut - beim öffentlichen Ansehen. Und dafür ist fast jedes Mittel recht.

Vorgeschichte zu 101 Dalmatinern

Nachdem Disney in den vergangenen Jahren viele der Animationsklassiker als Realfilm in die Neuzeit transferiert hat, folgt nun eine weitere Aufarbeitung der Stoffe - für ein neues Publikum und andere Sehgewohnheiten. Halbwegs Eingeweihte wissen daher sofort, dass die junge Cruella jene verbiesterte Schneiderin sein wird, die später den süßen Dalmatinern ans Fell will. Glenn Klose gab jene schrille Modeikone vor 25 bzw. 20 Jahren. Nun tritt Emma Stone in ihre Fußstapfen.

Von Rokoko bis Rock’n’Roll

Craig Gillespie inszenierte die Vorgeschichte zum klassischen Disney-Stoff aufwendig und schräg. Angesiedelt in den 1970ern, die swinging Sixties waren gerade vorüber, pulsiert das Leben an der Themse in einem neuen Rhythmus. Punk als Lebenseinstellung macht sich breit und manifestiert sich auch in der Mode. 270 teils echt ausgefallene Kostüme stellte der Fundus bereit. Entsprechend bunt und abwechslungsreich zwischen Rokoko und Rock’n’Roll geht es klamotten- wie auch soundtechnisch zur Sache.

Soundtrack für Generationen

Rund 30 Songs jener Zeit von den Beatles, über die Rolling Stones, Deep Purple hin zu Black Sabbath heizen das Geschehen zusätzlich an. Und fangen ganz nebenbei eine Zuschauer-Generation ein, die das letzte Mal vielleicht mit den gezeichneten Dalmatinern und Cruelle De Vil zu tun hatten. Neben dem durchweg kurzweiligen Anarcho-Spaß - die 134 Minuten bemerkt man nun wirklich kaum - ist es wohl vor allem der Umstand, dass hier verschiedenen Altersgruppen angesprochen werden, was die Produktion auszeichnet. Sicher, die Story strotzt jetzt nicht vor überraschenden Wendungen bei der Handlung, kann aber mit vielen witzigen und sehenswerten Einfällen punkten. Nicht zuletzt passt Emma Stone bestens in die Rolle der ehrgeizigen Fashionista.

Bestes Erelbnis mit der 4K UHD

Apropos sehenswert. Bestes Bild vollendet auch bei „Cruella“ das Heimkinoerlebnis. Daher, wer kann, greift zur 4K-Variante. Farbenprächtiger, detailreicher und deutlich mehr Kontrast lassen den Realfilm noch wirklicher erscheinen. Dieser gibt sich auch bei den Spezialeffekten keine Blöße, was nun CGI animiert wurde und was echt ist, lässt sich nicht wirklich unterscheiden. Am Ende eine nahezu perfekte Illusion und bestes Popcorn-Kino für die ganze Familie. Man darf gespannt sein, wie Disney den Faden nun weiterspinnt. Potential ist in jedem Falle vorhanden.

Cruella

Genre: Unterhaltung; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 134 Minuten; Verleih: Disney; Regie: Craig Gillespie; Emma Stone, Emma Thompson, Joel Fry; USA 2021