Joe Gardner liebt seinen Job als Musiklehrer an einer Schule. Doch zu gern wäre er auch ein bekannter Musiker. Immer wieder versucht der Jazzpianist so, an ein Engagement zu kommen. Und tatsächlich, es klappt. Trunken vor Freude stürzt Joe am wichtigsten Tag seines Lebens in einen offenen Gulli. Und ist - tot.

Zurück auf die Erde im falschen Körper

„Nein, ich kann nicht sterben, nicht heute“ - entweicht es ihm, da ist seine Seele bereits auf dem Weg nach oben. Bevor es die Himmelsleiter hinauf geht, legt Gardner den Rückwärtsgang ein und rennt im wahrsten Sinne des Wortes um sein Leben. Es nutzt nichts. Der Weg zurück auf die Erde bleibt verwehrt. Vorerst.
Denn einige Zeit später, Joe hat gerade Seele No. 22 kennengelernt, treffen sie auf einen Typen der aussieht wie Captain Hook. Und der kann ein Loch in Raum und Zeit schneiden, so die Rückkehr in den Körper ermöglichen. Gardner und No. 22 drängeln wie wild und fallen tatsächlich ins Leben zurück. Allerdings in den falschen Körper. Joe findet sich als dicke Katze wieder und No.22 als schwarzer Jazzpianist.

Youtube

Sterben an Weihnachten? Disneys Filmhighlight des Jahres wagt sich an ein schwieriges Thema. Und nach den ersten fünf Minuten wandelt sich auch noch das Bild, weg von der Pixar-gewohnten tollen Animation hin zu stilisierten, durchsichtigen Figuren in einfarbigen Textur-Umgebungen. Wer sich zuvor nicht mit dem Inhalt von „Soul“ beschäftigt haben sollte, könnte tatsächlich meinen, im falschen Film gelandet zu sein. Doch keine Angst. Weihnachten ist gerettet, denn die Handlung kriegt noch die Kurve.

Typischer, unbeschwerter Filmspaß

Denn nach dem zweifellos schrägen Intro konzentriert sich Pete Docter, der auch das Drehbuch mit verfasst hat, auf die Stärken einer jeden Pixar-Produktion. Dem kurzen - sicher auch weihnachtlichen Innehalten - folgt eine Tour de Force des unbeschwerten Filmspaßes. Wie sich Gardner und die Katze die Handlungsbälle und Worte zuwerfen, wie die Umgebung auf die vertauschten Inhalte der Körper reagiert, wie es gelingt, in einem emotionalen Auf und Ab den Spannungsbogen hoch und das Vergnügen noch höher zu halten, ist einfach fabelhaft.
Keine Frage - Achtung Spoiler - die Geschichte geht natürlich gut aus. Und dennoch wartet am Ende eine fette, ja vielleicht tränenreiche Überraschung auf die Zuschauer. Denn nicht nur die ganze Handlung über, vor allem auch mit der Schluss-Sequenz wird uns in einem für alle schweren Jahr so wundervoll vor Augen geführt, was uns zum Menschen macht. Vielleicht ist es Absicht, vielleicht ist es Zufall, in jedem Fall aber ist es perfektes Timing.

Perfekte Animationen

Wie schon erwähnt, auch rein bildtechnisch zerfällt die Geschichte in zwei Teile. Alles Überirdische kommt im ungewohnten, transparenten Graphic-Novel-Stil daher, allein schon von der Ansicht her federleicht. Hier steht das künstlerische im Vordergrund. Auf der Erde dann übertrifft sich Pixar dann selbst. Die Ansichten sind plastisch, physikalisch korrekt auch in der Bewegung, mit jeder Menge Witz und Charme. Auch bei der Animation, wenn sich die Katze im Menschen- und der Mensch im Katzenkörper bewegt. Ein echtes Highlight also auch in technischer Hinsicht.

Jazz gibt den Ton an

Gewissermaßen Mut beweist Disney ebenso bei der Musikauswahl. Nicht die Familien-Mitsing-Lieder kommen zum Einsatz, für die es ja bei manchen Produktionen extra Sing-Along-Spuren gibt. Dem schwarzen Hauptdarsteller und dessen Passion angemessen sind es Jazz- und Club-Sounds, die die Handlung begleiten. Interessant sicher auch für ein neues Publikum, das die Weihnachtsfilme aus dem Mäuseimperium gern als Kinderkram abgetan hat. Das ist „Soul“ ganz sicher nicht.

Nicht im Kino, nur per Stream

Last but not least beeinflusst Corona auch die Veröffentlichung des Weihnachtsfilms. Statt die Kinos und die Kassen der Betreiber zu füllen feiert der Streifen dieses Jahr exklusiv auf Disneys eigener Streaming-Plattform Premiere. Ab dem ersten Feiertag, dem 25. Dezember, ist „Soul“ bei Disney+ zu sehen.

Soul


Genre: Animation; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 100 Minuten; Verleih: Disney; Regie: Pete Docter; USA 2020