Drohen umherziehende Nomaden zu einem Problem für den bewaffneten Außenposten einer Kolonialmacht zu werden? Zumindest glaubt man das in der Hauptstadt und entsendet Colonell Joll an der Rand der Wüste, sich ein Bild von der Lage zu machen.

Exempel wird statuiert

Obwohl der Standort-Kommandant beteuert, dass es keine Probleme gäbe und höchstens mal ein Viehdieb Ärger mache, will der zackige Polizei-Offizier sein Untersuchungsprotokoll durchziehen. Und das bedeutet Druck, mehr Druck und dann noch mehr Druck auf die Verdächtigen. Nach den Lügen würde so ganz sicher die Wahrheit ans Licht kommen. An einem jungen Mann statuiert er dann auch sogleich ein Exempel und reist siegesgewiss wieder ab. Allerdings kommt er wieder und hat dann noch Gefolgschaft im Schlepptau, die die eigentlich friedliche Lage vor Ort eskalieren lässt.

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Der kolumbianische Regisseurs Ciro Guerra hat sich hier ein Werk von Nobelpreisträger John Maxwell Coetzee vorgenommen, das in einem fiktiven afrikanischen Land Kolonialismus und Rassismus thematisiert. Dabei spielt die Geschichte nicht nur von der Örtlichkeit her mit vagen Andeutungen, auch die Barbaren bleiben eine imaginäre Bedrohung, die lediglich dazu dient, als Kolonialmacht Stärke zu zeigen. Unkonkret bleibt dabei ebenso die Figurenzeichnung. Lediglich der von Mark Rylance gespielte Standort-Kommandant erhält eine persönliche Note, Joll bleibt der aalglatte Machtmensch, dem alle Emotionen fremd sind.

Robert Pattinson wenig sympathisch

Und auch Robert Pattinson kommt hier nicht gerade sympathisch rüber. Selbst die geschundene Gegenseite vermag der Zuschauer nicht wirklich ins Herz zu schließen, zu fremd bleiben die wenigen Vertreter der vermeintlichen Barbaren.
Im Gegensatz zu den wirklich tollen Bildern, die hier zu sehen sind, bleibt die Geschichte sperrig. Anfangs geht sie fast gemächlich zur Sache, zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse. Ein Spannungsbogen baut sich nicht wirklich auf. Und auch Superstar Johnny Depp, ohnehin mit seiner Rolle nicht der Sympathieträger, vermag den Zugang zum Stoff nicht einfacher zu machen. Für ihn doppelt schade, denn womöglich wird man ihn nicht mehr oft in neuen Produktionen sehen. Wenn überhaupt. Denn nach seiner Verurteilung als Frauenschläger hagelt es mittlerweile Absagen von Engagements, beispielsweise als Jack Sparrow. So war das vielleicht sogar sein letzter großer Auftritt.

Waiting for the Babarians


Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 112 Minuten; Verleih: Constantin; Regie: Ciro Guerra; Mark Rylance, Johnny Depp, Robert Pattinson; I 2019