Kriminalkommissar Bischoff geht selten eingelaufene Wege und eckt deshalb gern an. Doch statt Bestrafung nach einer teils missglückten Geiselbefreiung erhält er die Leitung in einem mysteriösen Fall.
Ein arabischer Clan, dessen Chef Kaplan und ein geheimnisvoller Container stehen dabei im Mittelpunkt. Bischoff wird nicht so richtig schlau aus dem Auftrag, den er von seiner Chefin bekommt, die irgendwie auch persönliche Interessen im Spiel hat.

Ein Stück Berliner Wirklichkeit

Um an die notwendigen Informationen zu kommen, greift sich der Polizist ausgerechnet Gabriel Stark, einen gefallenen Boxer unter Manipulationsverdacht, der dazu dem Clan-Chef sein gesamtes Eigentum überschrieben hat.

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Wer möchte kann aus den Eckdaten der Handlung durchaus Parallelen zur Berliner Wirklichkeit herausstellen. Man nehme statt des Boxers einen republikweit bekannten Rapper... Inwieweit der Rest der Handlung auch an reale Ereignisse angelehnt ist, weiß indes nur Mehrdad Taheri, der das Drehbuch verfasste. Darüber hinaus steht der Schauspieler als eben jener Boxer vor sowie als Regisseur hinter der Kamera. Vielleicht etwas viel fürs Langfilmdebüt. Das Thema ist durchaus mutig. Arabische Clans und deren Einfluss gerade in Großstädten und der organisierten Kriminalität rücken immer mehr ins öffentliche Bewusstsein.

Thema ohne Förderung umgesetzt

Doch die Umsetzung hapert an einigen Stellen. Die Story scheint verworren abseits des roten Fadens, nicht alle Befindlichkeiten werden tatsächlich zu Ende erklärt. Mit Kida Khodr Ramadan kann Taheri ein mittlerweile bekanntes Gesicht aufweisen, alle anderen indes werden wohl nur Eingeweihten etwas sagen. Zudem ist deren Performance teils wenig fürs Kino zu gebrauchen, ganz schlimm Bischofs Chefin, die direkt einer Laienspielgruppe entsprungen zu sein scheint. Andererseits darf man bei dem Micro-Budget kaum mehr erwarten, im Gegenteil. Zu loben ist in jedem Fall die Umsetzung des Themas auch ohne Förderung und große Unterstützung.

Dünnes Blut


Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 95 Minuten; Verleih: Eurovideo; Regie: Mehrdad Taheri; Mehrdad Taheri, Simon Licht, Kida Khodr Ramadan; D 2019