Wenn er wieder draußen ist, wird alles anders. Doch dazu hat Juan Santos keine Gelegenheit mehr. Denn nachdem er als Freigänger an der Kommunion seiner kleinen Tochter teilgenommen hat, wird das Kind bei einem Unfall getötet.

Rache für den Tod der Tochter

Dass dies kein Versehen war zeigt sich schon kurze Zeit später. Und obwohl der Santos-Clan von den anderen in Sevilla geächtet und vor die Tore der Stadt verbannt wurde, will Juan mitten im kriminellen Zentrum die Verantwortlichen für den Tod der Kleinen zur Rechenschaft ziehen. Seine Methoden sind dabei milieutypisch nicht die feinsten und ein fertiges Feindbild hat er sowieso. Unerwartet Unterstützung bei einem kräftemäßig eigentlich aussichtslosen Unterfangen erhält er von der Polizistin Eli. Die ist von Seiten den Staates mit der Aufklärung beschäftigt und hat noch eine ganz andere Sicht auf den Vorfall.

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Diese bestätigt sich zum Ende des Filmes dann durchaus überraschend. Und im Nachgang muss man Paco Cabezas vorwerfen, dass er hier hat eindeutig Storypotential liegen lassen. Denn die Wendung kommt nicht nur plötzlich, sondern auch vom Verlauf her ohne große Vorankündigung. Mit dem Pfund, dass hier neben den Berufskriminellen noch eine weitere Seite involviert ist, hätte der Regisseur wuchern müssen. So konzentriert er sich auf die so typischen Merkmale des Genres und der Clanstrukturen.

Hässliche Seite der andalusischen Hauptstadt

Dafür ist Cabezas in Sachen Handlungsort keine Kompromisse eingegangen. Sein Sevilla hat so gar nichts mit der andalusischen Perle zu tun, die die Touristen kennen. Im Gegenteil. Das Stadtmarketing wird wohl eher weniger amüsiert auf den Thriller schauen, der an der Stadt kaum eine gute Seite lässt. Das gilt gewissermaßen auch für die Figurenzeichnung. Weder Juan noch sonst wer kommt wirklich sympathisch rüber. Emotional kann der Zuschauer also keine Verbindung herstellen, weder zu Ort, noch zu Handelnden. Vielleicht etwas sehr „noir“ dieser Film.

Adiós - Die Clans von Sevilla


Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 110 Minuten; Verleih: MFA; Regie: Paco Cabezas; Mario Casas, Natalia de Molina, Ruth Díaz; Sp 2019