Jung, hübsch, aufgeweckt und aus gutem Hause wäre Emma die perfekte Partie. Doch die junge Frau kümmert sich vor allem ums Liebesleben ihrer Mitmenschen.
Dabei hat sie nicht nur sichtlichen Spaß daran, andere zu verkuppeln. Sie ist, so scheint es, auch ziemlich erfolgreich darin. Zumindest hat sie gerade ihre beste Freundin unter die Haube gebracht. Und auch bei der neuen Gesellschafterin stehen die Chancen ganz gut.

Junge Frau im Liebes-Chaos

Dann aber wendet sich das Blatt und Emma, sonst so selbstsicher, sieht sich einem ziemlichen Liebeschaos von Avancen und Ablehnungen ausgesetzt. Die beziehen sich aber nicht nur auf Fremde, sondern auch auf sie selbst.

Youtube

"Emma" ist nach "Stolz und Vorurteil" der zweitwichtigste und bekannteste Roman von Jane Austen. Der wurde ja bekanntlich nachgesagt, eine besonders gute Beobachtungsgabe zu haben und in der Lage zu sein, dies treffsicher auch literarisch verarbeiten zu können. Eine Steil-Vorlage also für jeden, der ein Sitten- und Liebesgemälde der damaligen Zeit verfilmen will. Autumn de Wilde wollte. Und als gelernte und erfolgreiche Fotografin und Werbefilmerin spielt die US-Amerikanerin hier ihr ganzes Können aus. "Emma" ist nicht weniger als ein opulenter Farb- und Kostümrausch, ein atemberaubendes BilderWerk, so als ob ein zeitgenössisches Gemälde laufen gelernt hätte. Für einen Debütwerk im Langfilm-Genre eine mehr als beachtliche Leistung. In jeder Einstellung ist das Bemühen zu erkennen, Handlung, Hintergrund und Figuren in Sachen Kleidung, Dekoration und Ausleuchtung perfekt aufeinander abzustimmen. Allein die vielen Details nur an den Kleidern, der Frisur und den Accessoires bei Hauptdarstellerin Anya Taylor-Joy sprechen für sich.

Anya Taylor-Joy dekoriert wie ein Model

Inhaltlich freilich hat Jane Austen die Richtung vorgegeben. Das gesamte und teils komplizierte Konstrukt der vielen Beziehungen und Abhängigkeiten wird hauptsächlich über viele und lange Dialoge erklärt. Diese sind durchweg geschliffen und entbehren nicht eines gewissen hintergründigen Humors, wie auch einige der Mitwirkenden durchaus eher als Karikatur ihrer selbst herausgestellt werden, etwa BillNighy als Emmas Vater. Doch über die zwei Stunden Laufzeit können die Gespräche nicht immer das Spannungs- und Aufmerksamkeitslevel hoch halten. Das war sicher auch den Filmemachern bewusst, die als dritte Komponente der Gesamtdarstellung versuchen, mittels der Filmmusik bestimmte Szenen von vornherein als komisch, dramatisch oder entscheidend zu kennzeichnen. Dennoch können Optik und Darstellung auf Dauer nicht gewisse Längen überdecken. Für Austen-Fans ist der Streifen natürlich ein Muss, für alle anderen in jedem Fall ein Blick Wert.

Emma


Genre: Drama; FSK: o.A.; Laufzeit: 124 Minuten; Verleih: Universal; Regie: Autumn de Wilde; Anya Taylor-Joy, Johnny Flynn, Mia Goth; GB 2020