Vor ihrer Vergangenheit geflohen, landet Margaret in Tokio. Hier ist die junge Amerikanerin Aussprachelehrerin für Englisch im Schulungszentrum einer Fluggesellschaft. In ihrer Freizeit gibt sie sich mit den wenigen Freunden, die sie hat, in Bars die Kante und sucht den schnellen Sex mit Fremden.

Mit der Yakuza im Bett

Die in Japan üblichen Liebes-Hotels sind dafür der perfekte und anonyme Platz. Für Margaret und ihre Lover reichen die Sprachkenntnisse nur für eine rudimentäre Verständigung, der Rest ist rein körperlich. Das ändert sich schlagartig, als die junge Frau Kazu über den Weg läuft. Zwar unnahbar, aber nicht weniger geheimnisvoll kommt dieser daher. Zudem ist er Mitglied der Yakuza, was einen weiteren Reiz auf die Amerikanerin ausübt. Anders als bei den anderen ist es für sie mit Kazu mehr als Sex. Margaret verliebt sich Hals über Kopf. Ein aussichtsloses Unterfangen, denn die Gruppenregeln lassen keine Beziehung zu Ausländern zu. Außerdem ist Kazu bereits einer anderen versprochen. Das stürzt Margaret in eine Abwärtsspirale aus noch mehr Alkohol und One-Night-Stands.
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Eine Amerikanerin in Tokio, da kommt das „Lost“ im Titel nicht von ungefähr. Doch Alexandra Daddario ist nicht Bill Murray, und ansatzweise lustig ist die Story ebenso wenig, womit alle Gemeinesamkeiten zu „Lost in translation“ ausgeräumt wären. Wobei, eines lässt sich dann doch mit dem berühmten Filmvorbild vergleichen: Der textile Anteil am Geschehen ist ähnlich hoch. Was angesichts des Titels und was sich davon vielleicht mancher verspricht, dann schon verwundert.

Daddario züchtig wie in Baywatch

Doch Daddario bleibt über weite Strecken zumindest so züchtig, wie sie als Baywatch-Nixe aufgetreten ist. William Olsson lässt seinen Kameramann vor allem Stimmungen und Vermutungen einfangen. Die sind zwar auch erotisch, aber meist depressiv, weil letzteres die Grundlage des Gesamtverhaltens der Hauptperson ist. Einsamkeit und Anonymität, dazu eine fremde Kultur und Sprache befördern Verhaltensweisen, die man wohl zuhause nicht an den Tag legen würde. Vielleicht ist das die Kernaussage, wie sie Catherine Hanrahan verstanden haben will. Von der stammt nämlich nicht nur die literarische Vorlage, sondern zudem auch das Drehbuch. Zurück bleibt ein über zumindest einige Strecken ratloser Zuschauer. Und das war bei Murrays Japanausflug nicht anders. Womit wir noch eine Gemeinsamkeit gefunden hätten.

Lost Girls and Love Hotels

Genre: Drama/Erotik; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 97 Minuten; Verleih: Capelight; Regie: William Olsson; Alexandra Daddario, Takehiro Hira, Carice van Houten; J/USA 2020