Jane hat es geschafft. Ihrem Ziel, einmal im Filmgeschäft zu arbeiten, ist sie ein ganzes Stück näher gekommen. Denn mittlerweile ist sie Assistentin eines einflussreichen Filmproduzenten. Doch der Bürojob ist alles andere als ein Traum.

Sexuelle Belästigung im Büro

Denn die Arbeit beginnt früh und endet spät, kennt kaum Beachtung und noch weniger Anerkennung. Jane ist fast ein moderner Arbeitssklave, der die Herablassung, bestenfalls die Gleichgültigkeit der männlichen Arbeitskollegen zu ertragen hat. Kaffee kochen, kopieren, Telefonate annehmen und den anderen hinterherräumen. Die Situation spitzt sich zu, als Jane aus Gesprächen und dem Verhalten in ihrer Umgebung schlussfolgert, dass ihr Boss ganz offensichtlich junge Frauen sexuell belästigt, die auf der Suche nach einem Job beim Film sind. Als sie sich ganz sicher glaubt, spricht sie den Personalchef an und erhält durch die Blume eine Bestätigung ihrer Vermutung, verbunden mit einer herablassenden Bemerkung. Und plötzlich steht Jane vor der Entscheidung, aufzubegehren und Job wie auch Traum zu riskieren oder einfach weiterzumachen.

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Auch wenn unausgesprochen die gesamte MeToo-Debatte über dem Erstlingswerk von Kitty Green steht, so wird das Thema eigentlich nur gestreift. Vielmehr konzentriert sich die Dok-Filmerin auf den alltäglichen Missbrauch, wie ihn Assistentinnen in den Vorzimmern - sicher nicht nur in Hollywood - erleben. Gerade der Umgang der älteren und männlichen Kollegen wird hier dem Zuschauer fast schon körperlich unangenehm nahegebracht. Denn Green komprimiert nicht etwa, indem sie über einen längeren Zeitraum sich immer genau jene Verhaltensweisen herauspickt. Im Gegenteil, sie schildert im inszenatorischen Zeitraffer nur einen Arbeitstag, was die Häufung des Fehlverhaltens erst in der wahren Dimension anschaulich macht.

Dokumentarische Beobachtung

Dabei folgt sie eher dokumentarisch ihrer Protagonistin und beobachtet diese stellvertretend für den Zuschauer bei der Arbeit. Das ist zugegeben meist nicht wirklich spannend, zumal auch die Möglichkeiten für verschiedene Einstellungen in einem Office begrenzt sind. Und auch Julia Garner versucht sich nicht gerade an Overacting, so dass unterm Strich auf den ersten Blick ein normaler Arbeitstag dargestellt wird. Schon hier werden die wenigsten tauschen wollen, schon gar nicht bei der weiteren Entwicklung, die Green dann doch recht ehrlich zuende bringt. Die Regisseurin tut, was sie am besten kann. Ob dieser dokumentarische Ansatz wirklich der ideale ist, um das Thema publikumswirksam vorzutragen, ist dabei eher fraglich.

The Assistant


Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 87 Minuten; Verleih: Ascot; Regie: Kitty Green; Julia Garner, Owen Holland, Jon Orsini; USA 2019