Obwohl Angehörige der weißen und privilegierten Minderheit bekämpfen Tim Jenkin und sein Freund Stephen Lee das südafrikanische Apartheidregime. Dabei gehen sie ziemlich robust zu Werke und lassen in den 1970-ern in Innenstädten kleine Sprengsätze detonieren, die Flugblätter in die Luft wirbeln. Bei einer dieser Aktionen werden sie geschnappt.

Gefängnis für Bombenleger

Die Staatsmacht ist in diesem Fall unerbittlich auch gegen Weiße. Zwölf bzw. acht Jahre Gefängnis, so das Urteil. Untergebracht werden die Beiden im politischen Zuchthaus von Pretoria. Schwer bewacht und von schießwütigen Aufsehern umgeben, wird den Neuankömmlingen von einem Mandela-Mitstreiter alsbald mitgeteilt, dass eine Flucht hier aussichtslos sei. Doch Jenkin und Lee haben nicht die Absicht, auch nur einen Tag länger einzusitzen als unbedingt notwendig. Obwohl der Sicherheitsapparat perfekt scheint, tüfteln und finden die Gefangenen einen Weg, wie sie in die Freiheit entkommen könnten. Das allerdings braucht gewissenhafte Planung, Geduld und auch ein wenig Glück.

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Tim Jenkin hat seine abenteuerliche Flucht aus dem Apartheid-Knast in einem Bestseller beschrieben, auf dem der von Francis Annan inszenierte Film basiert. Da Jenkin zudem als Fachberater am Drehort in Australien anwesend war, darf der Zuschauer darauf vertrauen, dass das gezeigte in höchstem Maßen authentisch ist. Angesichts dessen, was man während der über eineinhalb Stunden sieht, ein durchaus angebrachter Hinweis. Denn auch wenn der Titel bereits das Ergebnis vorweg und damit schon ein wenig die Spannung nimmt, der Weg zum Ziel ist allemal ansehenswert.

Daniel Radcliff sehenswert in der Hauptrolle

Auch, weil Daniel Radcliff in Jenkins Rolle als Mastermind des Unternehmens einen wirklich guten Job macht. Sein Wille, seine Zweifel, aber auch seine Angst vor dem Versagen oder entdeckt werden kann der Brite hervorragend hinter der großen 1970-er-Brille zum Vorschein bringen. Sicher, einige Details, wie man auf den Plan gekommen ist und woher der Gefangene die Fähigkeiten besitzt, diesen umzusetzen, hätten den Plot in Sachen Figurenzeichnung aufgewertet. Ebenso der Umstand, warum und weshalb die weißen Südafrikaner das Regime so unerbittlich bekämpften. Am Ende bleibt trotzdem ein kurzweiliger, spannender und auch in Sachen Schauspiel und Kulisse durchweg gelungener Film.

Flucht aus Pretoria


Genre: Thriller; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 106 Minuten; Verleih: Koch; Regie: Francis Annan; Daniel Radcliffe, Daniel Webber, Ian Hart; Aus 2020