Als Gareth Jones 1933 nach Moskau reiste, eilte ihm sein Ruf weit voraus. Schließlich hatte der junge walisische Journalist als einer von ganz wenigen bereits Adolf Hitler interviewt. Nun wollte er an Stalin ran.

Nach Hitler nun Stalin

Doch selbst ein gefälschtes Empfehlungsschreiben seines Ex-Chefs vom Außenministerium half da nicht weiter. Die Sowjets ließen ihn nicht durch. Und auch die Kollegen aus dem Westen, allen voran Pulitzer-Preisträger Walter Duranty, rieten dem jungen Mann von seinem Vorhaben ab.
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Der konzentrierte sich dann auf die angeblichen wirtschaftlichen Erfolge, die er erheblich in Zweifel zog. Bei einer Tour durch Betriebe entzog sich Jones seinen Bewachern und reiste allein durch die Ukraine. Hier erlebte er hautnah jene Hungernot, die Millionen das Leben kostete und die als Holodomor in die Geschichte eingehen sollte.

Westen kollaboriert mit Moskau

Mit durchaus sehenswertem Cast erzählt Agnieszka Holland die Geschichte von Jones als kurzweiligen Historienkrimi. Dabei thematisiert sie durchaus die Kollaboration des Westens, vor allem Großbritanniens und der in Moskau anwesenden westlichen Medien mit dem Diktator. Denn nachdem man den Journalisten nicht zum Schwiegen überreden konnte, wurde die Hungersnot anfangs weiter geleugnet.

Schockwirkung von Bildern

Holland setzt vor allem in der Ukraine teils auch auf die Schockwirkung von Bildern, etwa, wenn Baumrinde gegessen und selbst Kannibalismus zumindest angedeutet wird. Darüber hinaus zeichnet sie aber auch ein bemerkenswertes Zeugnis davon, wie westliche Medienvertreter in Moskau von den Mächtigen verwöhnt und geführt wurden.
So bleibt am Ende ein über weite Strecken spannendes, historisch sehr sehenswertes und schauspielerisch gelungenes Gesamtwerk, das allerdings auch hätte etwas kürzer ausfallen dürfen.

Red Secret - Im Fadenkreuz Stalins


Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 141 Minuten; Verleih: Koch; Regie: Agnieszka Holland; James Norton, Vanessa Kirby, Peter Sarsgaard; PL/GB 2019