„Gegen dieses Virus war die Spanische Grippe nicht mehr als ein Schnupfen“, bemerkt der leitende Wissenschaftler noch, bevor ihn die eigenen Lungensekrete ersticken. Er ist ein Opfer des Virus. Eines von sieben Milliarden. Die Toten zählt niemand mehr, die Anzahl der Lebenden ist überschaubar.
Doch es gibt sie. Nicht ganz geklärt ist, was sie immun gegen den als „Influenzavirus“ betitelten Erreger gemacht hat. Doch an jenen, die nun durch einsame Straßen streifen oder die Berge von Toten unter die Erde bringen, ist es, die menschliche Gesellschaft neu aufzubauen. Mother Abigail will das an einem sicheren Ort tun, indem sie per ausgesendeter Träume zu sich nach Colorado ruft. Das Anwesen erinnert dabei sehr an die Pionierzeit der amerikanischen Nation, gleicht irgendwie einer Westernstadt.
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Gesichert muss der Ort sein, da es auch eine dunkle Seite im postapokalyptischen Amerika gibt. Denn in Nevada plant eine Gruppe rund um Flagg - kurz, nachdem man mal eben eine tödliche Pandemie überlebt hat - die andere Seite zu vernichten. Mit einer Atombombe. Zwischen Gut und Böse gibt es aber in beiden Lagern noch Schattierungen, Typen, die ihre eigenen Ziele verfolgen und sich dabei der einen oder anderen Richtung anschließen. Sie alle sind nur auf den ersten Blick orientierungslos in einer Welt, in der offensichtlich keine Regeln mehr gelten und sich eine neue Ordnung zu etablieren versucht.

Kings Vision passt in die Zeit

Horror-Altmeister Steven King hat bereits 1978 die Geschichte um ein tödliches Virus geschrieben. Seinerzeit wenig beachtet, dann eher mit mäßigen Erfolg verfilmt, folgte im vergangenen Jahr die Umsetzung als Serie bei CBS. Das passte schon ganz gut zum sich weltweit verbreitenden Corona-Virus. Vor dem zweiten Pandemie-Winter allerdings dürfte dem Mehrteiler einige Aufmerksamkeit mehr zuteil werden. Denn thematisch treffender kann man derzeit mit einem Horror-Szenario um eine grassierende tödliche Krankheit gar nicht sein.

Frankfurt (Oder)

Dass es dabei vor allem um die Zeit nach dem weltweiten Sterben geht, wird dem Zuschauer allerdings erst mit dem Fortgang der Handlung bewusst. Denn der Vorlage folgend führt man Personen und Sachlage mit steten Rückblenden ein, die Ausbreitung des Virus, die vielen Toten und die Protagonisten, die an gar unterschiedlichen Stellen das alles überlebt haben. Dabei suchen Träume und Visionen die Handelnden ein, die schon ein Fingerzeig auf die Horror-Ausrichtung a lá King sind. Zwar geht mit der Vorwegnahme - also der nicht zwingend chronologischen Erzählweise - wie es Einzelnen ergangen ist, ein wenig Spannung verloren, aber wie schon erwähnt, entscheidend ist ohnehin die Zeit nach der Pandemie.

Alles noch viel schlimmer

Die aktuelle hat King sicher nicht vorweg genommen. Auch Contagion oder Songbird thematisieren ein grassierendes tödliches Virus und die weltweiten Folgen. Doch in einigen Passagen fühlt sich der Zuschauer schon an aktuelle Geschehnisse erinnert. Insofern ist es immer schwierig vorherzusagen, in wieweit der Plot von „The Stand“ auf den einzelnen wirkt. Wem die derzeitige Lage noch nicht gruselig genug ist, oder wem es Mut macht, dass alles hätte noch viel schlimmer kommen können, der ist bei der CBS-Serie ganz sicher gut aufgehoben.

The Stand Staffel 1

Genre: Horror/Sci-Fi; FSK: 18 Jahre; Laufzeit: 510 Minuten; Verleih: Paramount; Regie: Benjamin Cavel; Whoopi Goldberg, Alexander Skarsgård, James Marsden; USA 2020