Veronica Henley ist gefeierte Bestseller-Autorin, hat einige Uni-Abschlüsse in der Tasche. Und in der Gegenwart einen lieben Mann und ein süßes Kind. Doch immer wieder suchen sie offensichtlich Albträume heim. In denen schuftet sie als Sklavin auf einer Baumwollplantage.

Albtraum wird Wirklichkeit

Und diese Träume fühlen sich nicht nur echt an, sie sind es auch. Als Eden ist die junge Schwarze das Eigentum eines hochrangigen Offiziers, dem sie nicht nur den Haushalt macht, sondern mit dem sie auch das Bett teilt. Ein Fluchtversuch misslang bereits, mehrere Mitstreiter starben dabei. Doch Eden will nicht aufgeben. Sie plant einen erneuten Anlauf gewissenhaft, denn sie weiß, sie hat nur noch eine Chance.

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Gerard Bush und Christopher Renz präsentieren in ihrem ersten Langfilm eine vertrackte Geschichte, die den fortlebenden Rassismus in den Staaten von Zeiten der Sklaverei bis heute thematisieren soll. Und da ihr Werk kein vordergründig politisches sein soll, verpacken sie den Plot in eine Mystery-Thriller-Hülle. Dabei zerfällt die Handlung in eben jene zwei Teile, spielt zu Zeiten, in denen der Bürgerkrieg tobte und im Heute. In beiden wird teils sehr plakativ dargestellt, was die herabwürdigende Behandlung der Schwarzen ausmacht. Vor allem in der Neuzeit lassen die Filmemacher dabei etwas die Finesse fehlen und kommen bei den wenigen Szenen mit dem Holzhammer um die Ecke. Aber auch sonst sind die Fingerzeige in alle Richtungen sehr deutlich. Etwa, als die Ober-Sklaventreiberin ihr Leben ausgerechnet am Lee-Denkmal aushaucht.

Politisch zu ambitioniert

Schade eigentlich, denn sowohl Thema wie auch Machart sind durchaus angebracht, für Aufmerksamkeit zu sorgen. Wenngleich die Idee mit dem Zwei-Welten-Twist nicht so neu ist, so bietet sie doch gute Ansätze für einen spannenden Plot. Den kann „Antebellum“ nicht immer bieten. Zudem eignet sich der Streifen etwas zu sehr als Projektionsfläche für eher plumpe politische Aussagen, bei denen Bush und Renz selbst ein wenig durcheinander zu geraten scheinen. Schließlich waren einst die Demokraten die Partei der Sklavenhalter.
Rein technisch hingegen kann der Film vor allem auf 4K UHD voll überzeugen. Die Schwüle einer Bauwollplantage kommt über die weichen, sonnendurchfluteten Bilder perfekt rüber. In den vielen dunklen Szenen geht nichts verloren und die Ansichten zeichnen ein nahezu plastisches Bild.

Antebellum


Genre: Thriller; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 105 Minuten; Verleih: Leonine; Gerard Bush, Christopher Renz; Janelle Monáe, Eric Lange, Jena Malone; USA 2020