Nach der sechsten Woche hat Aidan genug. Er knüpft ein Verlängerungskabel an die Lampe an der Decke und will dem Elend ein Ende machen. 42 Tage Einsamkeit ohne Aussicht auf Besserung, dazu die ständige Gefahr und der womögliche Verlust aller Lieben haben das Nervenkostüm des jungen Mannes zunichte gemacht.

Untote auf der Jagd

Dabei fing alles eher harmlos an. Nach einem One-Night-Stand erwacht, entschwindet die unbekannte Begleitung in den erwachenden Morgen. Hier allerdings tummeln sich schon komische Gestalten. Aidan traut seinen Augen nicht, wie da Nachbarn blutrünstig übereinander herfallen. Der obligatorische Blick ins Netz bringt nichts und die Nachrichten verheißen wenig Gutes. Wie aus dem Nichts ist ein Virus über die Menschen hergefallen. Wer über Blut- oder Speichelkontakt infiziert wird, verwandelt sich in einen blutrünstigen Zombie, der auf die Jagd nach Frischfleisch geht.
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Aidan verbarrikadiert sich in seinem Apartment, lebt von den Ressourcen, die er noch hat und muss sich an die Geräusche um ihn herum gewöhnen. Verwandte oder Bekannte erreicht er nicht mehr. Das Wasser geht aus, die Nahrung auch. Die Ungewissheit bleibt. Und gerade, als er aufgeben, dem allem hier ein Ende setzen will, keimt Hoffnung. Gegenüber, eine Etage tiefer, erblickt er eine Frau, die offensichtlich wie er zu den letzten Überlebenden gehört. Die Versuchung ist groß, das Leid gemeinsam zu ertragen. Doch die Zombies wittern Beute und sind durchaus in der Lage, auch an Fassaden große Strecken zu überwinden.

Kammerspiel der Angst

Zombiegeschichten sind nicht unbedingt der neueste Schrei im Horror-Genre. Gleichwohl bietet diese hier zwei Ansätze, die allein aus der jüngeren Vergangenheit heraus gut geeignet sind, für aufrechte Nackenhaare zu sorgen. Das ist natürlich zum einen die Pandemie-Situation und dann das Eingesperrtsein, wobei unsere europäischen Nachbarn dieses Gefühl noch viel intensiver „erleben“ durften. Von der Anlage her ergibt sich, dass der Film von Johnny Martin fast wie ein Kammerspiel daherkommt. Außer der Hauptperson tauchen nur zwei weitere normale Menschen auf, die anderen sind bereits mutiert. Allein in einem Apartment ist allerdings auch für den Zuschauer irgendwann langweilig. Und so geht Martin folgerichtig, nachdem er die Vorgeschichte erzählt hat, dann ein wenig in die Umgebung.

Kein neues Zombieland

Der Plot wird auf knapp eineinhalb Stunden gestreckt, was an einer Szene mit Donald Sutherland liegt. Der passt immer super in solch klaustrophobische Umgebungen und ist natürlich ein Aushängeschild für die Produktion. Allerdings hätte es inhaltlich nicht dessen Auftritt bedurft, doch dann wäre das Ganze wohl zu schnell zu Ende gewesen. Sicher ist „Stay Alive“, der im Original richtigerweise „Alone“ heißt, weit davon entfernt, ein neues „Zombiland“ zu sein. Aber eingedenk der aktuellen Lage sicher für Fans des Genres eine gute Gelegeneheit, sich ein paar Gruseleinheiten abzuholen.

Stay Alive - Überleben um jeden Preis


Genre: Horror; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 92 Minuten; Verleih: Capelight; Regie: Johnny Martin; Tyler Posey, Summer Spiro, Donald Sutherland; USA 2020