Kaz und Charlie warten täglich auf Besucher, denen sie mit ihrem Wasserflugzug die malerische Küste von Queensland zeigen können. Die Geschäfte laufen schlecht. Um so erfreulicher ist der Auftrag, ein Pärchen auf eine weit entfernte vorgelagerte Insel zu bringen. Doch aus dem idyllischen Ausflug wird ein Horrortrip, den nicht alle überstehen.

Hai greift an

Dass das Eiland etwas von Hölle im Namen hat, beunruhigt die Besucher wenig. Denn wie sich herausstellt, ist Michelle die Enkelin jenes Perlentauchers, der hier als einziger eine Katastrophe überlebt hat. Im Andenken an den Opa will man dessen Asche verstreuen, ein wenig chillen, gut essen und dann zur Basis zurückkehren. Die Pläne ändern sich, als am Strand ein Toter gefunden wird, offensichtlich bei einem Haiangriff getötet. Und da alles darauf hinweist, dass der Mann nicht allein und mit einem Boot unterwegs war, sieht es Charlie als seine Pflicht, nach Überlebenden zu suchen.
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Schon etwas knapp mit dem Sprit findet sich die gekenterte Yacht mit einer Toten darin. Gerade, als die Fünf zurückfliegen wollen, wird das Flugzeug von einem Großen Weißen angegriffen und sinkt. Im leichten Rettungsfloß treiben die Schiffbrüchigen nun über den Ozean und wie es scheint, folgt ihnen der Räuber. So bleibt die tödliche Gefahr stets spürbar.

Vergleich mit Steven Spielberg

Seit Steven Spielberg 1975 mit „Der weiße Hai“ das Genre des Tierhorrors neu erfunden hat, sind Generationen von Filmemachern bestrebt, diesen Erfolg zu wiederholen. Martin Wilson geht dieses Unterfangen gleich bei seinem Langfilm-Debut an. Mutig! Und dabei macht der Australier sogar vieles richtig. Er stellt nicht die Mordlust und das Töten in den Mittelpunkt, versucht den eigentlichen Hauptdarsteller so viel wie nötig und so wenig wie möglich ins Bild zu setzen, um so möglichst das subtile Gruseln zu befördern. Wilson setzt auf moderne Technologien und Möglichkeiten, sowohl bei der Erzählung wie auch bei der Umsetzung. Allerdings ist die Story - trotz wirklich guter Ansätze - zu dünn. Minutenlanges Treiben auf dem Meer ist für Zuschauer weniger aufregend als für Floßinsassen, die zudem um die Gefahr wissen, die um sie herum lauert.

Technisch gut, Logik mit Lücken

Dazu leistet sich der Regisseur einige Logikschnitzer, die die Geschichte ad absurdum führen und die guten Ansätze zunichte machen. So zerbeißt der Hai den stählernen Schwimmkörper des Flugzeugs, tastet aber das dünne Kunststofffloß nicht an. Geschenkt, könnte man sagen. Doch am schwerwiegendsten ist, dass das Tier schlussendlich zum mordlustigen Killer gemacht wird. Als jener verfolgt er offensichtlich die Schiffbrüchigen über weite Distanzen, schlägt aber nur zu, wenn sich jemand im Wasser befindet. Schade, denn so landet man schlussendlich bei Creature Horror der eher einfachen Sorte. Technisch dagegen ist das Stück ordentlich gemacht worden. Die Animationen passen und kommen soweit glaubwürdig rüber. Für „Jaws“ ist „Great White“ eher keine Konkurrenz, aber Genrefans könnten trotzdem gut unterhalten werden.

Great White


Genre: Horror; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 91 Minuten; Verleih: Eurovideo; Regie: Martin Wilson; Aaron Jakubenko, Kimie Tsukakoshi; Aus/USA 2021