Europa im Herbst 1939. Die Wehrmacht ist in Polen einmarschiert. Hier glaubt man, den Vormarsch der Deutschen schnell stoppen zu können. Und in Paris geht das Leben so weiter wie bisher. Im englischen Manchester ist der Krieg eigentlich weit weg, doch die Verhältnisse ändern sich schnell und dramatisch. Das überrascht nicht jeden, aber doch viele.

Der Krieg scheint weit weg

Zu ersteren gehört die amerikanische Rundfunk-Journalistin Nancy Campbell. Die erlebt im polnischen Grenzland hautnah, wie die Nazis ihren Überfall auf Polen vorbereiten, entkommt dem Tode nur knapp. Sie warnt Freunde und Nachbarn, darunter den jungen englischen Aristokraten Harry Chase. Der arbeitet als Übersetzer an der britischen Botschaft in Warschau. Der kann es kaum glauben und bei seinen Vorgesetzten findet die Möglichkeit eines Überfall erst recht kein Gehör.
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Erst, als Danzig gefallen ist, wird man aktiv. Chase heiratet schnell seine polnische Freundin, um diese außer Landes bringen zu können. Deren Vater gehört zu den ersten Kriegstoten, was die Dramatik noch beschleunigt. Davon will man in Paris nichts wissen. Campbells Neffe Webster O’Connor arbeitet hier als Arzt und hat sich in einen farbigen Jazz-Trompeter verliebt. Daher bringt ihn nichts dazu, Paris zu verlassen. Schließlich scheint der Krieg ja weit weg.

Manchester, Warschau, Berlin und Paris

Nicht Hauptquartiere und Regierungsgebäude, sondern die Wohn- und Arbeitsstätten der Menschen sind Schauplatz der BBC-Serie. Diese widmet sich in der ersten Staffel komplett dem ersten Kriegsjahr. Manchester, Warschau, Berlin und Paris sind die Schauplätze, an denen das Geschehen und die Veränderungen im Alltag aus dem Blickwinkel normaler Leute erfolgt. Hier wird auch der Stimmungsübergang von ungläubig, wütend, kämpferisch zu ängstlich nachvollzogen. Die große Weltpolitik bleibt dabei fast außen vor. Lediglich in Campbells Rundfunk-Reportagen findet eine Analyse der Gesamtlage statt. Dazwischen sind es vor allem die Einzelschicksale miteinander verbundener Personen, auf die Serienerfinder Peter Bowker sein Augenmerk legt.

Nicht nur Krieg, auch Drama und Romanze

Unter der Ägide verschiedener Regisseure ist die BBC das Thema durchaus umfassend angegangen. Wie bei großen Serien-Produktionen üblich, erwartet den Zuschauer ein Setting, das die jeweilige Situation wie in der Realität darstellt. Da wurde weder an den Kulissen, noch Mensch oder Material gespart. Da der Reigen der verknüpften Handelnden dann doch größter ist, als man anfangs vermuten mag, dauert es allerdings eine Weile, bis alle Personen entsprechend eingeführt worden sind. Insofern muss der Betrachter etwas Geduld mitbringen, bis er so wirklich in der Handlung ist. Belohnt wir die Ausdauer mit einer informativen und sehenswerten Zeitgeschichts-Darstellung, der typische Filmgenre wie Drama, Action und auch Romanze nicht fremd sind.

World on Fire Staffel 1


Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 420 Minuten; Verleih: Pandastorm; Regie: diverse; Jonah Hauer-King, Julia Brown, Zofia Wichlacz; GB 2019