Babylon Berlin - die Erfolgsserie geht in eine neue Runde. In Staffel 3 stehen erneut Kommissar Gereon Rath und seine Assistentin Charlotte Ritter im Focus. Und zum Ende der Goldenen Zwanziger zeichnen sich deutlich dunkle Wolken am Horizont über Berlin ab.

Mord vor laufender Kamera

In den Universum-Studios in Babelsberg wird Filmstar Betty Winter vor laufender Kamera von einem Scheinwerfer erschlagen. Was wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich ziemlich schnell als Mord. Sehr zum Ärger des Armeniers und seiner Geschäftsfreunde. Denn in diesem Fall würde die Versicherung nicht für den Schaden eines Drehabbruches aufkommen. Und die Unterweltgrößen sind mit viel Geld im Filmprojekt engagiert. So sehr sie sich auch bemühen, die Unfall-Theorie wird nicht nur von Rath widerlegt. Weitere Tote deuten eher auf Auseinandersetzungen im Milieu hin.

Youtube

Auch der Fall Greta Overbeck beschäftigt Rath und Ritter weiter. Denn vor Gericht widerruft sie plötzlich ihre Aussage, von Nazis zum Bombenattentat auf ihren Arbeitgeber angestiftet worden zu sein. Und schließlich kehrt auch beim Privatleben des Kommissars keine Ruhe ein. Seine Vergangenheit sorgt für zusätzlichen Stress. Nicht zuletzt drohen die so gern als wild und golden bezeichneten 1920-er Jahre weniger gut für die Menschen zuende gehen zu wollen.

Viel Krimi, wenig Glamour

Diesen Punkt nimmt die 3. Staffel der deutschen Serienproduktion direkt vorweg. Denn den Auftakt bildet der Börsencrash 1929 und dessen direkte Folgen. Zwei Selbstmorde in den ersten 30 Film-Sekunden verheißen nichts Gutes. Und tatsächlich, auch in den fünf Wochen vor dem Schwarzen Freitag, die hier filmisch thematisiert werden, geht es eher düster denn mit viel Glamour zur Sache. „Babylon Berlin“ ist auch im dritten Durchgang vor allem eine Krimi-Serie. Von dem, was das Jahrzehnt zum „Goldenen“ gemacht haben soll, sieht man eher wenig.

Party und Drogen auch ohne Moka Efti

Dafür schreitet die Figurenzeichnung voran. Nicht nur bei Gereon Rath, der sich nun endgültig von seiner Vergangenheit lösen will. Auch Charlotte Ritter lernen wir noch besser kennen und selbst der Kripo-Fotograf hat ein Leben vor der Polizei gehabt. Da das Moka Efti geschlossen ist, findet die Party in eher kleineren Etablissements statt. Ab Folge vier wird hier wieder getanzt und zunehmend kommen Drogen ins Spiel. Schließlich wurde Berlin in den Zwanzigern von Heroin geradezu überschwemmt.

Gelungene Zeitreise

Die Regisseure Tom Tykwer, Henk Handloegten, Achim von Borries halten gekonnt die Balance zwischen klassischem Krimi, Geschichtsunterricht und Unterhaltung. Immer, wenn ein Handlungsstrang zu verflachen droht, wird ein neuer eingeflochten. Dadurch finden sich viele kleine Geschichten im Rahmen der großen, was natürlich ein wenig zu Lasten der Übersichtlichkeit geht. Das dürfte vor allem Neueinsteiger und all jene betreffen, die die vorherigen Staffeln nicht parat haben. Ungeachtet dessen entsteht ein sehr plastisches Bild von Personen und der Epoche. Unterm Strich eine wirklich gelungene Zeitreise.
Nicht unwesentlich tragen dazu Kulissen und Ausstattung bei. Hier gilt, wie schon bei den vorherigen Staffeln, klotzen statt kleckern. Das Berlin vor knapp 100 Jahren entfaltet sich sehr sehenswert vor den Augen der Zuschauer, seien es die großen Institutionen, die Vorort-Villen oder die Mietskasernen dritter Hinterhof. Alles wirkt ungemein authentisch und so nah, dass man fast schon wieder erstaunt ist, mittlerweile selbst in den neuen 20ern zu leben.

Babylon Berlin Staffel 3


Genre: Krimi/Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 580 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Tom Tykwer, Henk Handloegten, Achim von Borries; Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Lars Eidinger; D 2020

Ab 11. Oktober 2020 in der ARD, ab 18. Oktober auf BluRay und DVD, auch als Collection Staffel 1-3