Michael Trainer ist einer jener Typen, gegen den niemand wirklich vor Gericht stehen will. Denn der aalglatte Wirtschaftsanwalt versteht sein Handwerk und weiß, wie man rücksichtslos zum Erfolg gelangt. Dieses Können möchte ein Richter auch einem jungen Straftäter zukommen lassen. Zu dessen Vertretung pro bono verdonnert er Trainer.

Missbrauch ist Mittel zum Zweck

Der ist alles andere als erfreut. Um so weniger, als dass es um Vergewaltigungsvorwürfe und die Vertuschung derselben durch eine der größten Jugendhilfeeinrichtungen des Landes geht. Zudem ist der junge Mann schwarz und alles andere als unkompliziert. Da sich Trainer aber nicht wie sonst vor solch einem Mandat drücken kann, schaut er sich die Sache näher an. Und es offenbaren sich Abgründe.
Youtube

Youtube

Nicht nur, dass die Missbrauchsanschuldigungen belegt sind. Die zuständigen Betreuer haben die körperlichen Übergriffe bewusst ausgenutzt, um durch den Wechsel der jeweiligen Gastfamilien mehr Geld zu verdienen. Und weil Jamal ohnehin nicht mit den gebotenen knapp 100 000 Dollar Entschädigung zufrieden ist, sondern 25 Millionen fordert, ist der Anwalt wieder in Regionen angelangt, in denen er sonst auch unterwegs ist.

System am Pranger

Die Ausgangslage ist etwas konfus, da nicht wirklich klar wird, was der junge Mann eigentlich fordert. Und, wie er es denn erreichen will. Alle, die ihm freiwillig oder auch nicht zur Seite stehen, lehnt er ab. Andererseits sind Trainer und Jamal von allen Voraussetzungen her so gegensätzlich es nur geht. Das ergibt gutes Konfliktpotential. Warum der Anwalt schließlich doch einwilligt kann Youssef Delara in seinem Gerichts-Drama nicht wirklich überzeugend herausarbeiten, aber im Ergebnis stimmt die Geschichte dann irgendwie. Mit dem Finale zeigt der Film schließlich Einblicke in ein System der Jugendbetreuung, das sprachlos macht. Hier leisten allein die Fakten ganze Arbeit.
Das darf man auch dem im Prinzip unbekannten Cast bescheinigen. Jamal kommt vielleicht eine Spur zu klischeehaft rüber, aber auch hier passt es in der Summe der Teile.

Foster Boy


Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 105 Minuten; Verleih: Eurovideo; Regie: Youssef Delara; Matthew Modine, Shane Paul McGhie, Lex Scott Davis; USA 2019