Am 11. März 2011 um 14:46 Uhr Orszeit erschüttert eines der schwersten Seebeben in der Geschichte des Landes Japan. Kurze Zeit später überflutet ein mehr als zehn Meter hoher Tsunami die Küstenregion, in der das Atom-Kraftwerk Fukushima steht. Durch das Wasser wird die gesamte Stromversorgung der Anlage unterbrochen.

Kernschmelze droht

Und das hat doppelt verheerende Folgen. Denn zum einen fallen sämtliche Messgeräte zur Überwachung der Atommeiler aus. In Folge bemerkt man bei der Betreiberfirma erst sehr spät, dass auch das Kühlsystem nicht mehr funktioniert und damit eine Kernschmelze in den Reaktoren droht. Obwohl es einen Notfallplan für den Katastrophenfall gibt, scheint die Mannschaft vor Ort anfangs komplett von der Situation überfordert.
Youtube

Youtube

Als sie beginnt, organisatorisch die Lage in den Griff zu bekommen, gesellen sich weiter Pannen hinzu. So passen mobile Stromaggregate nicht zur Anlage und auch Feuerlöschfahrzeuge lassen sich nicht so einfach zur Kühlung einsetzen. Nicht zuletzt wird die Entlüftung der Sicherheitsbehälter unterbrochen, weil der Ministerpräsident eingeflogen wird, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Unvergessen Fukushima 50

Derweil riskiert die Belegschaft des Kontrollraumes ein ums andere Mal ihr Leben, weil sie direkt an den Reaktoren Ventile öffnen und Messgeräte anschließen muss. Und auch die Crew in der Werkszentrale leistet über fast 90 Stunden unmenschliches. Sie alle werden als die Fukushima 50 in die Geschichte eingehen.

Das Ende der Atomkraft

Denen ist der Film von Setsurô Wakamatsu gewidmet, der pünktlich zum zehnten Jahrestag der Katastrophe nun auch in Deutschland zu sehen ist. Die „50“ hat es dabei nicht mehr auf den Titel hierzulande geschafft. Das kann ein Zufall sein. Aber auch nicht. Denn Fukushima hat gerade für Deutschland eine besondere Bedeutung. Denn der Unfall war das Ende der Atomkraft. Nicht etwa im fernen Japan, sondern in der Bundesrepublik. Nach einer beispiellosen Hysterie-Kampagne haben sich die Entscheidungsträger dazu hinreißen lassen, die geplante Laufzeitverlängerung der deutschen Meiler zu kippen und einen schnellen Ausstieg zu forcieren. Der kostet den Steuerzahler, wie wir mittlerweile wissen, mehrere Milliarden, stellt die Sicherheit der Stromversorgung womöglich in Frage und auch die CO2-Ziele.

Fahrlässiger Umgang mit Naturgewalten

Insofern kommt „Fukushima“ neuneinhalb Jahre zu spät. Denn der als Katastrophen-Thriller angelegte Schnelldurchlauf der Ereignisse von damals stellt eines nicht in Frage: die Atomenergie. Vielmehr thematisiert Wakamatsu den geradezu fahrlässig sorglosen Umgang mit Naturgewalten vor allem in einer Gegend, in der Beben und auch Flutwellen jederzeit möglich sind. Die Reaktoren standen defacto ungeschützt am Meeresrand, es gab keinerlei Vorkehrungen, die elektrische Anlage „wasserfest“ zu machen, gleiches traf auf die Diesel-Notstromgeneratoren zu.

Die wichtigsten Ereingnisse

Der Film zeichnet zeitlich die wichtigsten Ereignisse nach und bewegt sich eigentlich nur zwischen drei Standorten hin und her: Kontrollraum, Steuerungszentrale, Reaktorgebäude. Per se ist das nicht besonders spannend, der Thrill ergibt sich allein aus dem Umstand, dass wir wissen, was in der Folge passiert. Geradezu aberwitzig sind dabei die Reaktionen von Teilen der Belegschaft oder den Verantwortungsträgern, die sich permanent bei irgendjemandem entschuldigen, als ob das in der Situation helfen würde. Insofern passt die Inszenierung nur schwer zu hiesigen Sehgewohnheiten, da man die meisten Protagonisten immer wieder mit emotional verzerrten Gesichtern sieht, wenn sie gefühlt im 30-Sekunden-Takt einen Bückling machen.

Andere Sicht auf Ereignisse

Und dennoch ist „Fukushima“ ein wichtiger Film, gerade für all jene, die sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht wirklich mit den Details der Katastrophe beschäftigt haben. Denn die teils nüchterne Darstellung der Fakten lässt das Ereignis und vor allem dessen Folgen in einem anderen Licht erscheinen, als es vor allem hier landauf, landab propagiert wurde. Und so erscheint die Einblendung eines Spruchbandes im Ort Fukushima „Atomstrom - CO2-freie Energie“ fast schon wie eine Prophezeiung, wo doch mittlerweile auch in Deutschland dieser Gedanke nicht mehr ganz tabu ist.

Fukushima


Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 122 Minuten; Verleih: Capelight; Regie: Setsurô Wakamatsu; Ken Watanabe, Angelo Minoru Kawajiri, Kôichi Satô; J 2020