Vor der Ehe kein Sex, mit niemandem, nicht einmal, mit sich selbst. Nach diesem Credo wird Alice in einer katholischen Schule erzogen. Doch als pubertierender Teenager lauert sie überall, die fleischliche Versuchung. Und die Sünde kommt nicht nur via des neuen Internets.
Dort gerät des Mädchen rein zufällig durch eine Spam-Mail an einen virtuellen Wüstling. Kaum ist sie den los, verbreitet sich in der Schule das Gerücht, Alice hätte da was mit einem der Jungs angezettelt. Sich keiner Schuld bewusst ist dennoch das Interesse geweckt, was da wohl alle gemeint haben könnten und wie das nun ist zwischen Mann und Frau. Nicht nur der Herr sieht’s, sondern auch der Pfarrer. Und deshalb soll eine viertägige Kirchenfreizeit in einem (Erziehungs)Camp Läuterung bringen. Gut gemeint, schwer gemacht, denn auch hier kann der Teenager der Versuchung einfach nicht aus dem Weg gehen. Wie auch, wenn selbst die angeblich so keuschen Kameraden bis hin zum Pfarrer sündigen, sobald sie unbeobachtet scheinen.
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Bigotterie begleitet die Menschen schon tausende Jahre lang. Und besonders streng religiöse Kreise stehen dabei gern im Focus der Beobachtung. Auf genau jene zielt der Film von Karen Maine, die auch das Drehbuch geschrieben hat. Dazu platziert sie die Handlung ins beginnende neue Jahrtausend, als Internet-Pornos gerade erst ihren Siegeszug hin zur Normalität begannen. Die Welt ist in ihren Grundzügen noch analog und die Kids glauben bis zu einem bestimmten Punkt, was ihnen der Pfarrer im Unterricht erzählt. Alles darüber hinaus ist vor allem Selbsterfahrung, die Alice hier macht.

Vibration mal anders

Als Coming-of-Age-Komödie angelegt soll die relativ kurze Handlung eben genau jenen Widerspruch zwischen Lehre und Wirklichkeit aufdecken. Dies macht Maine ziemlich plakativ und mitunter auch lustig, wenn beispielsweise die Vibrationsfunktion des seinerzeit neuen Handys zweckentfremdet wird. Allerdings hätte man sich, vor allem mit Blick auf den zeitlichen Abstand zu Handlung, deutlich mehr Biss gewünscht. Einerseits zielt die Aussage ja genau auf gewisse scheinheilige Handlungsweisen ab, andererseits will man aber offensichtlich den Angesprochenen nicht wehtun. Da kann Natalia Dyer noch so unschuldig-schuldig gucken, sie kann das Geschehen nicht über die Marke „ganz nett“ hinaus aufwerten.

Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht


Genre: Komödie; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 78 Minuten; Verleih: Capelight; Regie: Karen Maine; Natalia Dyer, Timothy Simons, Wolfgang Novogratz; USA 2019