Nein, so richtig will Nyles nicht ins Bild passen. Hawaii-Hemd und Badeshorts auf einer Hochzeit. Dazu statt Champagner eine Büchse Bier in der Hand. Und, was der Freund einer der Brautjungfern alles über das Paar weiß. Überrascht dürften nur die anderen Gäste sein, für die das alles eine Premiere ist. Nyles erlebt es zum x-ten Male und weiß, dass sich morgen niemand mehr daran erinnern wird.

Party jeden Tag

Denn dann geht die Sause wieder von vorne los und der junge Mann erlebt aufs neue all den Wahnsinn. Nyles hängt in einer Zeitschleife fest, die mit dem Hochzeitsmorgen beginnt und endet, wenn er eingeschlafen ist. Egal wann. Längst hat der Twen aufgegeben, die Lage zu ändern oder dem ganzen ein Ende zu setzten. Denn egal was er tut, er wacht wieder auf. Der Schmerz zuvor aber ist jedes Mal real. Und deshalb hat Nyles beschlossen, so viel Spaß wie möglich zu haben.
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Heute ist Sarah dran, die ältere Schwester der Braut. Und das schwarze Schaf der Familie. Alles läuft bestens, bis ein Typ auftaucht, der mit einem Bogen auf Nyles schießt, um dann in einer Höhle zu verschwinden. Dorthin folgt ihm der Verletzte und dummerweise auch Sarah. Ein Loch im Boden ist der Zugang zur Zeitschleife, in der nun ebenso die Frau gefangen ist. Nach einiger Eingewöhnung akzeptiert sie scheinbar ihr Schicksal und willigt ein, fortan mit Nyles gemeinsam den schönsten Tag des Lebens zu genießen, solange nur genügend Dosenbier vorrätig ist.

Zeitschleife ohne Wiederholungen

Alle Filme zum Thema Zeitschleife müssen sich den Vergleich zu Harold Ramis Vorlage gefallen lassen, in der Bill Murray sehr unterhaltsam gegen die tägliche Wiederholung ankämpfte. Max Barbakow, der auch am Drehbuch mitschrieb, wählt einen etwas anderen Ansatz. Seine Protagonisten versuchen - anfänglich zumindest - nicht gegen ihr Schicksal anzukämpfen. Das hat Nyles zu Beginn des Filmes bereits lange hinter sich. Als mit Sarah eine Mitstreiterin auf der Bildfläche erscheint, ist es vielmehr die Absicht, das Beste aus der Situation zu machen. Das wiederum bewahrt den Zuschauer selbst vor einer wie auch immer gelagerten Wiederholung, da nicht das Ziel ist, jene Todesart zu ermitteln, die schlussendlich den Spuk beendet.

Muss man nochmal sehen

Auf der Suche nach Spaß im gleich getakteten Alltag lässt sich unser Pärchen immer wieder etwas neues einfallen. Das lockert auf und unterhält bestens. Situationskomik und Sprachwitz, dazu sehr plakativ in Szene gesetzt und quietschbunt ins Bild gerückt, so stellt man sich eine moderne Komödie vor. Bei allen zu diesem Thema läuft das aber irgendwann auf die Frage hinaus, wie die Geschichte elegant beenden? Barbakow lässt die Chance des offenen Abgangs verstreichen, was ein wenig schade ist und platziert stattdessen den Versuch, einer logischen Lösung. Die muss - Zeitreisen oder Schleifen sind bisher reine Fiktion - scheitern, was den Film und dessen Genuss jedoch nicht schmälert. Muss man unbedingt nochmal sehen.

Palm Springs

Genre: Komödie; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 90 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Max Barbakow; Andy Samberg, Cristin Milioti, J.K. Simmons; USA 2020