Das Grubberger Freibad ist sein Revier. Hier hat Karl Kruse das Sagen. Als Schwimmmeister. Der Job ist sein Leben, den hat er vom Vater geerbt. Und entsprechend resolut tritt Karl auf, als Berliner mitten in Bayern.
Doch damit könnte es bald vorbei sein. Denn wie viele andere Badeanstalten auch ist die in Grubberg alt, sanierungsbedürftig und zu teuer. Daher will die Bürgermeisterin den Abriss. Den würde Albert Dengler sogar kostenlos übernehmen, wenn er dafür auf dem Areal schöne neue Wohnungen bauen darf. Karl umreißt zwar nicht die ganze Dramatik dessen, aber weiß, hier geht’s ans Eingemachte.

Flüchtling fürs Wasserball-Team

Doch ein erster Aufruf an die Einwohner verhallt defacto ungehört. Kein Wunder, kaum jemand findet noch den Weg ins kühle örtliche Nass. Erst Sali bringt Schwung ins Geschehen. Der Flüchtling aus Nigeria wird Karl als Azubi zur Seite gestellt und erweist sich als überaus talentiert, Bälle abzufangen. Genau so jemanden braucht das Wasserball-Team. Und mit dem hätte man schon eher einflussreiche Freunde an der Seite. Das Problem, Ali kann nicht schwimmen und soll bald wieder abgeschoben werden.

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In seiner neuen Komödie macht Marcus H. Rosenmüller das bayerische Freibad zum Schmelztiegel aktueller Probleme in Deutschland. Er thematisiert den teils erbärmlichen Zustand der Bäder, zieht unersättliche Baulöwen durch den Kakao, bringt gekonnt die Flüchtlings-, Aufenthalts- und Abschiebeproblematik ins Spiel und leistet sich zum Schluss noch einen ironischen Seitenhieb auf die Auswüchse des Naturschutzes. Das alles wird vor allem lustig und unterhaltsam in Szene gesetzt.

Peschel und der Eberhofer

Im Mittelpunkt steht dabei Milan Peschel, der bisher vor allem als Gag- und Grimassen-Lieferant in deutschen Produktionen zu sehen war. Man gönnt dem Berliner die Hauptrolle wirklich. Und zumindest der Trailer zum Film verhieß ein Gagfeuerwerk. Auf knapp zwei Stunden gestreckt allerdings muss man konstatieren, dass Peschel der Last der Hauptrolle nicht wirklich gerecht wird. Wie einst Louis de Funès ist der Vorrat an Mimik und Gestik überschaubar. Mal ganz lustig, aber nicht auf Dauer. Und auch der Einsatz von Sebastian Bezzel bringt nicht, was erwartet. Schließlich hat der mit seiner Eberhofer-Reihe ziemlich weit an trockenem bajuwarischen Humor vorgelegt.

Von Komödie bis Drama

Dennoch ist der „Beckenrand Sheriff“ bei weitem kein schlechter Film. Er unterhält locker über die Zeit, hat nur wenige Längen und überrascht am Ende tatsächlich mit einer Auflösung, die man so nicht erwarten durfte. Das thematische Spektrum, das Rosenmüller hier anfasst, ist vielleicht etwas breit und schließt Komödie wie auch Drama mit ein. Einfach nur Spaß haben wollen geht offensichtlich nicht. Es muss auch viel Tiefsinn mit hinein. Dem gegenüber steht dann aber die teils slapstickartige Darstellungsweise der meisten Akteure rund ums Becken.

Beckenrand Sheriff

Genre: Komödie; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 114 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Marcus H. Rosenmüller; Milan Peschel, Johanna Wokalek, Dimitri Abold; D 2021