Dieses Weihnachten wird Antoines Leben verändern. Zuerst muss der Zwölfjährige sehen, wie sich seine große Liebe an einen anderen anschmiegt. Dann wird sein bester Freund, Nachbars Hund, überfahren, weil der Junge ihn apportieren ließ. Doch dies ist alles nichts im Vergleich zu dem, was dann geschieht.

Dramatische Sekunden im Wald

Denn in seiner Verzweiflung, Trauer, Ratlosigkeit läuft Antoine in den Wald und zerstört jene Hütte, in der er und Freunde immer gern gespielt haben. Nachbars Kleinster war auch ab und an dabei und stört den Wüterich in einem unpassenden Moment. Ein Überreaktion und Rémi ist tot. Unbeabsichtigt. Es war ein Unfall.
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Doch mit rationalem Denken, zumal bei einem Kind, ist nun nicht zu rechnen. Antoine versteckt die Leiche in einer Felsspalte. Dort wäre sie in den folgenden Tagen beinahe gefunden worden, hätte nicht ein verheerendes Unwetter die weitere Suche unmöglich gemacht. So scheint es, als würde das Geheimnis immer eines bleiben. Doch 15 Jahre später, Antoine ist wieder im Heimatort, werden große Teile des Waldes gerodet.

Unschuldig Schuldiger

Nach dem Bestseller von von Pierre Lemaitre ist dieses Kriminal-Drama entstanden, das den Zuschauer auf ziemlich direkte Weise mit der Frage konfrontiert, was tun, wenn Kinder töten? Die Kamera bleibt immer wieder bei der großen unschuldigen Augen des Zwölfjährigen hängen und gibt keine Antwort. Diese durchaus bedrückende Atmosphäre ist eine der ganz großen Stärken des Films. Und diese potenziert sich schließlich beim Finale des Geschehens.

Konstruierte Auflösung

Allerdings liegen dazwischen gut 60 Minuten, in denen der Plot zunehmend konstruiert wirkt. Denn es sind schließlich die persönlichen und dörflichen Verflechtungen, die den Weg der Wahrheit ans Licht verhindern. So wie sie hier dargestellt werden, müssen sie tatsächlich erfunden worden sein. Denn rein rechtlich wäre es kein Problem gewesen, die Geschichte aufzulösen, da Antoine zum Zeitpunkt des Geschehens nicht strafmündig war. Daher bleibt der Zuschauer am Ende etwas enttäuscht ob der vergebenen Möglichkeiten zurück.

Drei Tage und ein Leben


Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 119 Minuten; Verleih: atlas film; Regie: Nicolas Boukhrief; Sandrine Bonnaire, Pablo Pauly, Charles Berling; F 2019