Wache 23 hat alles im Griff. Sowohl die Hühnerdiebe in der NRW-Kleinstadt wie auch den geregelten Tagesablauf der Polizeibeamten. Das ist der zuständigen Direktion ein Dorn im Auge - rein aus Kostengründen natürlich. Und deshalb wird ein Kontrolleur in die Provinz entsandt zu überprüfen, ob es der Wache 23 dort überhaupt noch bedarf.

Bedrohung für den Job ist blond

Dass die Bedrohung des gemütlichen Arbeitsplatzes in Form einer gutaussehenden Blondine daherkommt, macht es Deniz und Rocky nicht einfacher. Für Netty und Hagen sowieso nicht, denn die sind ein Paar. Und Reiner, der Reviervorsteher, geht demnächst in Pension. So hat Tina von Anfang an keinen guten Stand bei den Kollegen, da ziemlich schnell offensichtlich wird, wofür sie hier ist.
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Doch die Beamten sind zwar unterbeschäftigt, aber nicht einfallslos. Wenn der Jobverlust wegen Unterbeschäftigung droht, so muss man eben für einen Anstieg der Kriminalität sorgen. Wer sollte sich da besser auskennen als jene, die die Fälle aufklären müssen. Zuerst ist es eher eine Schnapsidee, dann aber schlägt die Exekutive richtig zu. Und eh man sich versieht, steckt Wache 23 in einem richtigen Kriminalfall, für den gar ein SEK angefordert werden muss.

Deutsche Version von „Kops“

Mit „Kops“ sorgte Josef Fares Anfang der 2000er für weltweite Lacher, als die Polizisten einer schwedischen Kleinstadtwache mit getürkten Straftaten für Beschäftigung sorgten. Alexander Schubert von der „heute show“ hat sich für sein Regie-Debüt also einen Gag sicheren Stoff ausgesucht. Die Handlung wurde flugs ins bevölkerungsreichste Bundesland verlegt und mit einem Türken, einem Polen und einer taffen Blondine für größtmögliche Akzeptanz beim Publikum gesorgt. Zugleich bietet die Auswahl an Charakteren eine ansehnliche Projektionsfläche für all jene Themen, die man aus dem Alltag heraus hier komödiantisch zur Sprache bringen will.

Von Feminismus bis Rassismus

Und da ist Schubert ebenso wenig zimperlich wie ideenlos. Rassismus, Feminismus, Spießbürgertum, Multikulti, Armut, Standesdünkel - hier wird ziemlich viel, teils offen, teils eher versteckt vorgetragen. Manche Gags sind echte Schenkelklopfer, für manche braucht man ein paar Momente. Die Masse täuscht allerdings dann doch ein wenig über die Qualität hinweg. Denn fürs offene und aufgeklärte Publikum hätte es ruhig etwas bissiger sein dürfen. Dass sich ausgerechnet der Kollege mit polnischen Wurzeln ums geklaute Fahrrad seines Chefs kümmern soll, rangiert schon ganz weit oben auf der Skala mutiger Einfälle. Unterm Strich recht unterhaltsam, in jedem Fall kurzweilig, aber nicht wirklich überraschend.

Faking Bullshit


Genre: Komödie; FSK: 12 Jahre: Laufzeit: 103 Minuten; Verleih: Eurovideo; Regie: Alexander Schubert; Erkan Acar, Sina Tkotsch, Adrian Topol; D 2020