Verurteilt wegen achtfachen Mordes sitzt Thomas Quick lebenslang in einer psychiatrischen Anstalt. Sein Fall ist fast vergessen, da stößt der TV-Journalist Hannes Råstam per Zufall auf die Ereignisse von vor vielen Jahren. Da er gerade eine andere Geschichte bearbeitet, bei der Teenager unschuldig wegen Brandstiftung verurteilt worden waren, recherchiert er auch ein wenig am Quick-Fall.

Falscher Mörder

Schon die ersten Kratzer an der Oberfläche erwecken die Aufmerksamkeit von Råstam. Gegen alle Widerstände beschäftigen er und seine Kollegin Jenny Küttim sich weiter mit den Vorgängen, die in Akten und per Video archiviert worden sind. Schließlich sucht Hannes das Gespräch mit Quick und wird in seiner Vermutung bestätigt, dass hier zwar relativ schnell ein Täter gefunden, die Morde aber nicht wirklich aufgeklärt wurden. Sowohl von Seiten der ehemaligen Ermittler, wie auch des Betreuungspersonals in der Klinik wird dem Journalisten bestätigt, dass man den psychisch labilen Quick, auch mit Hilfe von Medikamenten, gefügig gemacht hatte.
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Erst der schlimmste Serienmörder des Landes, dann der größte Justizskandal Schwedens - der Fall Quick beschäftigte die Nordländer immer wieder. Und es ist nicht ganz klar, was sie mehr schockierte - die Brutalität der Taten oder die Oberflächlichkeit bei der Aufklärung derselben. In typischer nordischer Düsternis und Art der Inszenierung bringt Mikael Håfström die Geschichte an den Zuschauer. Er verzichtet auf die explizite Darstellung der Taten, was sowohl inhaltlich wie auch künstlerisch einen Sinn macht. Denn wie man spätestens beim Abspann weiß, ist der Verurteilte nicht der Täter gewesen, gibt es also niemanden, der bisher offen über den Hergang gesprochen hat.

Typisch skandinavischer Krimi

Mehr als Drama denn als Thriller setzt der Regisseur die Ereignisse in Szene. Ein ziemlicher Spagat, denn natürlich ist der Sachverhalt spannend, will man ihn aber nicht boulevardesk aufbauschen. Das wiederum birgt die Gefahr von Längen in sich, die Håfström nicht verhindern kann. Mit weit über zwei Stunden wird die Geduld des Zuschauers auch vor allem zum Ende hin stark strapaziert. Hier wäre weniger Detail besser gewesen. Und auch der zweite Handlungsstrang - die schwere Erkrankung Råstams, die natürlich zum Gesamtbild des Hauptakteurs gehört, aber mit dem Fall als solches nichts zu tun hat - zieht die Handlung gehörig in die Länge. Am Ende vor allem kriminalgeschichtlich interessant, zu Teilen auch spannend und solide gemacht nach typisch skandinavischen Filmgrundsätzen.

Quick: Die Erschaffung eines Serienkillers

Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 132 Minuten; Verleih: Koch; Regie: Mikael Håfström; Jonas Karlsson, David Dencik, Alba August; S/B 2019