Jens schwant schon nichts Gutes, als er zum Streifendienst mit Mike eingeteilt wird. Der ist bekannt für seine provokante Art und wie er den Hüter von Recht und Ordnung über Gebühr raushängen lässt. Und das ausgerechnet in einer Situation, in der die Stimmung in Svalegården ohnehin schon angeheizt ist. Denn in dem Viertel, das vor allem von arabischstämmigen Migranten bewohnt wird, hatte es wenige Tage zuvor einen Zwischenfall gegeben, bei dem ein Verdächtiger im Polizeigewahrsam schwer zu Schaden kam.

Lage außer Kontrolle

Und so dauert es auch nicht lange bis zur ersten kritischen Situation. Scheinbar ohne Grund filzt Mike den jungen Amos, geht dabei weit über die Grenzen des Erlaubten hinaus. Der revanchiert sich mit einem Wurf auf den Streifenwagen, was den Polizisten vollkommen ausrasten lässt. Der junge Mann wird verhaftet und ins Auto verfrachtet. Doch Umstehende greifen das Fahrzeug an, tracktieren es so mit Steinen, dass es zu einem schweren Unfall kommt. Die Insassen fliehen zu Fuß mit ihrem Gefangenen.
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Als kurz darauf bekannt wird, dass der Verletzte von vor wenigen Tagen verstorben ist, gerät die Lage vollkommen außer Kontrolle. Ein Rettungsteam, dass die Beamten rausholen soll, wird mit Molotov-Cocktails angegriffen. Das Trio ist auf sich alleingestellt. Mike will Amos als Geisel und zum Schutz behalten, Jens den Jungen laufen lassen, um schnell das Weite suchen zu können. Die Entscheidung wird ihnen abgenommen. Denn auf der Flucht werden die Drei getrennt. Während sich Mike den Weg freischießen kann, verschwinden Jens und Amos irgendwo im Häusermeer. Ausgang ungewiss.

Straßenkämpfe im beschaulichen Dänemark

Szenen wie in „Shorta“ vermutet man eigentlich in Pariser Problemvororten und nicht im beschaulichen Dänemark. Aber auch hier sind beide Seiten des Problems trauriger Alltag. Auf der einen Seite kriminalisierte und sich radikalisierende junge arabische Männer, auf der anderen Polizisten, die glauben, mit noch mehr Härte eine Lösung gefunden zu haben und ohnehin der Meinung sind, dass die Migranten nicht zu und erst recht nicht nach Dänemark gehören. Dieses Pulverfass machen Frederik Louis Hviid und Anders Ølholm auf.

Ein Spiegel für beide Seiten

Man darf ihnen dazu und der Art, wie sie schlussendlich die Lunte löschen, nur gratulieren. Mit Nervenstärke halten sie beiden Seiten und der Gesellschaft einen Spiegel vor, ergreifen mitnichten Partei für jemanden, sondern ausschließlich für die Vernunft. Sie zeigen beeindruckend, dass es sowohl bei der Polizei wie auch bei den Einwanderern solche und solche gibt. Jene, die sich ans Gesetz halten, die Regeln beachten und um Deeskalation bemüht sind. Und jene eben auch, die genau das Gegenteil tun.

Offenheit der jüngeren Vergangenheit gegenüber

Manchem mag der Ringbau der Ereignisse vielleicht ein wenig zu viel des Guten sein, andererseits aber wird damit nochmals unterstrichen, dass die Ereignisse einen auch mitreißen können und nicht allein die Handlung, sondern auch der Umgang damit von Bedeutung ist. Soviel Offenheit ist in der jüngeren Vergangenheit zum seltenen Gut geworden. Und ganz nebenbei hat das Regie-Duo auch noch einen spannenden und durchaus actionlastigen Krimi inszeniert, den man auch ganz ohne politische Ambitionen gut finden kann.

Shorta - Das Gesetz der Straße

Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 108 Minuten; Verleih: Koch; Regie; Frederik Louis Hviid, Anders Ølholm; Jacob Lohmann, Simon Sears, Tarek Zayat; DK 2020