Die Amerikaner produzierten zwar die meisten Autos auf dem Planeten, doch der Absatz schwächelte. Neue Verkaufsideen mussten her. Ein Sieg in Frankreich könnte dem eher langweiligen Produkt aus Detroit einen Glanz verleihen, der einen Ford für viele zum begehrten Objekt machen würde. Doch einen Rennstall und vor allem ein konkurrenzfähiges Auto stampft man nicht einfach aus dem Boden. Zwar beauftragte Henry Ford II. mit Carroll Shelby jemanden, der von Rennwagen etwas verstand, doch die Bürokratie innerhalb des Konzerns war viel zu groß. Zudem verhinderten widerstreitende Interessen, dass Shelby mit Ken Miles den Fahrer ins Rennen schickte, den er für den besten auf dem Kontinent hielt. Eine krachende Niederlage in Le Mans war die Folge. Mit umfassenden Befugnissen ausgestattet und frei in der Wahl der Fahrer und Mittel, ging Shelby die Sache erneut an. Miles war seine Nummer Eins und keiner der beiden zweifelte nur im Geringsten daran, dass man 1966 die Scuderia Ferrari schlagen würde.
Kenner der Geschichte wissen, dass es klappte. Alle anderen erfahren es nach gut zweieinhalb rasanten Stunden, zahlreichen Hochs und Tiefs und einer wunderbaren Freundschaft zwischen Shelby und Miles. Denn anders als bei "Le Mans" von 1971, bei dem Steve McQueen den einsamen Wolf gab, ist der aktuelle Titel Teamwork. Er verknappt die 15 Monate vor dem ersten Ford-Sieg gekonnt, lässt aber den wichtigen Aspekten genügend Raum. Star des Geschehens ist – wieder einmal – Christian Bale, der dem unangepassten Schrauber, begnadeten Fahrer und dem Sturkopf ein Gesicht gibt. James Mangold zieht hier alle Register seines Könnens, um auch diejenigen bei der Stange zu halten, die den Ausgang des Renn-Spektakels zu kennen glauben. Dabei hält der Action-Regisseur nicht nur die Spannungskurve hoch, sondern lässt es in den richtigen Momenten auch menscheln. Damit ist der Film weit mehr als ein auf Zelluloid gebanntes Autorennen. Er ist ebenso Drama, Love-Story, Buddy-Movie. So richtig bewusst wird einem das erst, wenn die ja eigentlich langen knapp 150 Minuten dann doch schon vorbei sind.

Perfekte Besetzung: Matt Damon und Christian Bale

Dass das alles so gut funktioniert, liegt natürlich auch an Kulisse und Ausstattung. Der Zeitsprung scheint perfekt, und die viele vorfahrenden Klassiker, sei es von Ford, Ferrari oder anderen, werden die Herzen von Liebhabern von Chrom und Blech sicher höher schlagen lassen.
Allerdings trägt ebenso die technische Seite sehr zum hervorragenden Gesamtergebnis bei. Wer kann, sollte auf die höchste Auflösung von der 4K-UHD zurückgreifen. Kontrast, Farbwerte und Bewegungsschärfe lassen ein sehr plastisches und authentisches Bild erscheinen. Mit ein wenig Korn hätte man fast glauben können, im Original jener Zeit beizuwohnen. Doch so viel Nostalgie wollte dann doch niemand. Und auch beim Ton gibt es fast keine Fehlzündungen. Die DTS-HD-Master-Spur in der deutschen Version kann zwar nicht mit echtem 3-D-sound via Dolby Atmos glänzen, macht aber ansonsten wirklich viel und gelungenes Spektakel.
Kurzum, wer auch nur ansatzweise Benzin im Blut oder ein Faible für Autorennen hat, Fan von Matt Damon oder Christian Bale ist oder einfach nur gute Filme mag, kommt an diesem Streifen einfach nicht vorbei.
Genre: Action; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 153 Minuten; Verleih: 20th Century Fox HE; Regie: James Mangold; Matt Damon, Christian Bale, Jon Bernthal; USA 2019