Liebe kommt, Liebe geht. Das erlebt Undine gerade an der eigenen Seele. Denn Johannes hat ihr den Laufpass gegeben. Noch benommen vor Unglück stolpert sie in die nächste Beziehung.

Verliebt in der Mittagspause

Und das alles in der Mittagspause. Eben noch hat sie mit dem nun Ex gesprochen, da rettet sie Christoph vor einem herabstürzenden Aquarium. Ausgerechnet Christoph, für den Wasser als Berufstaucher ein gewohntes Element ist. Das Zusammentreffen muss Schicksal sein. Und das wollen beide nicht herausfordern, nähern sich langsam aneinander an.

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Er folgt ihren Lippen während der Vorträge als Stadthistorikerin in Berlin, sie begleitet ihn unter Wasser, um seine Arbeitswelt kennen zu lernen. Dort treffen sie auf den riesigen und uralten Wels, ein Mythos im Staubecken, in dem die Tauchcrew gerade zugange ist. Zugleich aber auch für Undine das Signal, eine Prophezeiung zu erfüllen. Denn auch, wenn die neue schnell kam, so hat sie die alte Liebe noch lange nicht verarbeitet. Und dem Verräter derselben droht der Tod, so will es die Prophezeiung.

Modernes Märchen inszeniert

Ein modernes Märchen, so will Christian Petzold sein Werk verstanden wissen. Insofern seien damit einige Dinge verziehen, die sich dem Betrachter nicht sofort logisch erschließen. Und Petzold passt seine Dramaturgie und vor allem das Gesamtbild des Films der Vorgabe an. Das bedeutet zuerst einmal, dass sich der Regisseur Zeit lässt. Viel Zeit. Ein wenig erfüllt der Streifen so nebenbei einen Bildungsauftrag in Sachen Stadtgeschichte von Berlin, da die Kamera fast in Gänze Undines Vorträgen folgt. Aber auch sonst ist Hektik nicht die angebrachte Gangart. Man muss sich als Zuschauer darauf einlassen (wollen), denn sonst funktioniert die Inszenierung nicht und könnte schnell langweilen.
Die Juroren der Berlinale wie auch des Europäischen Filmpreises konnten sehr wohl in der Geschichte aufgehen. Denn nach dem Silbernen Bären erhielt Hauptdarstellerin Paula Beer nun auch den Preis als Beste Schauspielerin.

Undine


Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 86 Minuten; Verleih: Piffi-Medien; Regie: Christian Petzold; Paula Beer, Franz Rogowski, Jacob Matschenz; D 2020