Allabendlich singt Gaspard auf dem Unterhaltungsdampfer seiner Familie von Liebe und Trennung. Gerade mit letzteren hat er reichlich Erfahrungen gesammelt und deshalb beschlossen, ersteinmal einen Bogen um die Liebe zu machen. Sehr zum Verdruss seiner Nachbarin, die den jungen Mann gern wieder liiert sehen würde. Für Gaspard hingegen ist die Enthaltsamkeit geradezu lebensrettend, wie sich zeigen soll.

Herzen explodieren

Denn der findet am Ufer der Seine tatsächlich eine Meerjungfrau. Zuerst glaubt er an eine gekonnte Verkleidung. Doch Verletzungen am Fischschwanz und das gesamte Erscheinungsbild lassen Gaspard dann doch schnell glauben, dass es sich tatsächlich um ein Wasserwesen handeln könnte. Im Krankenhaus erhält er keine Hilfe und bekommt auch nicht mit, dass das Auftauchen der Sirene dort zu einem Todesfall führt. Denn der Gesang des blonden Geschöpfes lässt bei schockverliebten Männern das Herz explodieren.
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Davor ist der Sänger noch gefeit. Denn nach zahlreichen Enttäuschungen entflammt keine Liebe für das Wassergeschöpf, trotz deren Sirenengesang. Allerdings erkennen die Beiden mit der Zeit, dass sie gemeinsame Interessen haben. Musik beispielsweise. Und über die kommen sie sich dann auch näher. Das freilich wird gefährlich für Gaspard. Denn der öffnet sich nun wieder neuen Liebes-Gelegenheiten.

Lovestory und Märchen

Mathias Malzieu, der Regie und Drehbuch verantwortet, versucht hier an große Tage des französischen Films anzuknüpfen. Er verbindet Lovestory mit Märchen und gießt das in kunterbunte, teils abstrakte, teils wunderschöne Bilder. Dabei wird die Handlung vor aller Realität platziert, das Besondere in den Mittelpunkt gerückt, ohne ganz die Wirklichkeit zu vernachlässigen. Freilich, das Konstrukt, dass den verliebten Herren der Herztod droht, kann Malzieu, einmal eingeführt, nicht wieder auflösen. Und dass es dabei Kollateralschäden gibt, lässt sich auch nicht vermeiden. Gerade über die geht die Handlung irgendwie ziemlich herzlos hinweg.

Viel Theater im Film

Kulissen und Setting dagegen sind wirklich gelungen. Ein wenig Boheme an der Seine mit all ihren schrägen Facetten, mystisches Licht und knallige Farben, wo es passt. Da schwingt auch ganz viel Theater im Film mit. Mitunter allerdings verliert die Handlung ein wenig an Tempo, da hätte man sich insgesamt mehr Rhythmus gewünscht. Trotz der Altersfreigabe von sechs Jahren, für Kinder ist das Märchen eher nicht geeignet.

Eine Meerjungfrau in Paris

Genre: Unterhaltung; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 102 Minuten; Verleih: Capelight; Regie: Mathias Malzieu; Tchéky Karyo, Rossy de Palma, Marilyn Lima; F 2020