Obwohl er seit seinem Einsatz im Korea-Krieg keinen Kontakt mehr zu ihm hatte, folgt Atticus Freeman dem Ruf der Familie, seinen verschwundenen Vater zu suchen. Er kehrt in die Südstaaten zurück und begibt sich zusammen mit seinem Onkel und einer alten Freundin auf einen Roadtrip.
Onkel George arbeitet bei dieser Gelegenheit weiter an seinem „sicheren Reiseführer für Neger“. Allerdings, viele empfehlenswerte Orte kann er nicht eintragen. Denn egal, wo das schwarze Trio auftaucht, schlägt ihm von Verachtung bis Hass alles entgegen, die Staatsgewalt eingeschlossen. Bei einem Notstopp mitten in der Nacht zeigt sich, dass der Horror des Rassismus bei Tage noch getoppt werden kann.
Youtube

Youtube

Denn wie aus dem nichts tauchen vampirische Monster auf, die alles verschlingen. Ausgerechnet seitens einer weiße Elite-Bruderschaft erfährt Atticus jedoch Hilfe, die natürlich nicht uneigennützig daherkommt. Denn der junge Mann ist in direkter Linie der letzte Nachfahre des Sektengründers und somit essentieller Bestandteil zur Erreichung des Zieles - ewiges Leben.

Ein Schwarzer als Erlöser für weiße Sekte

Was für ein wüster Ritt. Die rund erste halbe Stunde erleben wir die schwarze Community im Süden in den 1950-er Jahren. Ein tolles und authentisches Set-Design macht die Eingewöhnung leicht, wenngleich die Auswüchse der Rassentrennung dem Zuschauer dramatisch vor Augen geführt werden. Ein junger Mann sucht seinen Vater. Könnte ein normaler Kriminalfall sein. Und so fragt man sich mit der Zeit, worauf wohl die Altersfreigabe von 18 Jahren fußen würde. Spätestens, wenn Menschenteile durch die Gegen fliegen und schlabbrige Monster jagt auf alle Zweibeiner machen, beantwortet sich die Frage von selbst. Und als ob die Mischung nicht schon krude genug wäre, taucht dann noch die Ewigkeitssekte auf, für die ausgerechnet ein Schwarzer Mittel zum Erfolg ist. Doch damit nicht genug. Im Verlauf der Handlung kommt es zu weiteren Gruseleinfällen, die allesamt Romanen von H.P. Lovecraft entsprungen sein könnten.

Horror des Alltags

Nicht von ungefähr also die Titelwahl für die Serie, die auf dem von Matt Ruff veröffentlichten Buch basiert. Lovecraft war nicht nur der bedeutendste Autor phantastischer Horrorliteratur des 20. Jahrhunderts, sondern zugleich auch glühender Rassist. Insofern sind Titel und Handlung gewissermaßen doppelt sinngebend und drücken den Horror des Alltags aus. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob die im Wortsinn monströse Steigerung des Rassismus für dessen Verständnis vonnöten gewesen ist oder im Gegenteil vielleicht gar abmildernd wirkt. Der Zuschauer muss sich in jedem Fall auf eine ungewohnte Handlung einstellen, die jedoch zweifellos einfalls- und temporeich in Szene gesetzt wurde. Längen, wie bei Serien nicht selten, sucht man hier vergebens. Im Gegenteil, mitunter wirkt der Plot gar ein wenig überfrachtet.

Lovecraft Country Staffel 1


Genre: Drama/Horror; FSK: 18 Jahre; Laufzeit: 600 Minuten; Verleih: HBO/WHV; Regie: Misha Green; Jonathan Majors, Jurnee Smollett, Courtney B. Vance; USA 2020