Weil der Vater offensichtlich nicht willig oder in der Lage war, die Familie zu ernähren, übernahm der gerademal zehnjährige Ned diesen Part. Nicht ganz gesetzeskonform. Der Beginn einer äußerst kriminellen Karriere.
Allerdings handelte der Junge anfangs vor allem aus Not und Hunger. Nach dem Tod des Vaters gab ihn die Mutter dann in die Obhut des Straßenräubers Power oder besser, sie verkaufte ihn als Handlanger.

Die schwere Jungend prägt Ned Kelly

Diese Lehrzeit endet für Ned im Knast. Wieder draußen, versuchte der Teenager, ein möglichst geregeltes Leben zu führen. Doch als Nachfahre irischer Strafgefangener war dies nicht einfach. Und die Familie hatte in seiner Abwesenheit gelernt, dass man als Outlaw auch ganz gut über die Runden kommt. Für den mittlerweile jungen Mann war der Gesetzesübertritt aber nur Mittel zum Zweck. Und dieser bestand vor allem darin, die britischen Kolonialtruppen zu bekämpfen.

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Ned Kelly gilt als Australiens bekanntester Gesetzloser. Justin Kurzel hat auf der Basis von Peter Careys Roman zur wahren Geschichte der Kelly Gang vor allem dessen Jugend und Werdegang verfilmt. Dafür versammelte er im Outback durchaus eine Riege angesehener Schauspieler. Shooting-Star George MacKay tritt dabei in die Fußstapfen von beispielsweise Mick Jagger und schlüpft in die Hauptrolle des Outlaws. Ein sichtlich beleibter Russel Crowe gibt den zwielichtigen Räuber Power und Charlie Hunnam ist als britischer Besatzungs-Polizist zu erleben.

George MacKay an der Seite von Russel Crowe

Trotz all der kriminellen Energie die von Kelly, seiner Familie und Umgebung ausgeht, hat Kurzel nicht den bleischweren Actioner gedreht. Vielmehr erleben wir das Psychogramm eines Heranwachsenden, der sich zumindest anfangs gegen die Richtung seiner Entwicklung stemmt. Heute nennt man das eine schwere Jungend, was meistens zu milderen Urteilen führt. MacKay sieht man die ganze Zeit über an, wie ihn als Kelly der Zwiespalt zwischen dem, was erwartet wird und notwendig ist und dem, was er verhindern will, zermürbt. Seinem Gesicht nach zu urteilen steht er stets kurz vor dem Ausraster.
Auch wenn die Spannungskurve der Inszenierung eher gleichförmig und flach verläuft, so gelingt es Kurzel doch anschaulich, eine sehenswerte Beschreibung der Lebensumstände zu jener Zeit abzuliefern. Die karge Umgebung des Outbacks erhöht dabei die Tristesse, die insgesamt eher kühle Farbgebung des Bildes ebenso.

Outlaws


Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 125 Minuzten; Verleih: Koch; Regie: Justin Kurzel; George MacKay, Russel Crowe, Charlie Hunnam; Aus 2020