Für Nick Holland ist es das erste Mal, dass er auf Streife durchs nächtliche L.A. fahren muss. Dem Rookie zur Seite gestellt wird Ray Mandel, ein erfahrener Cop, der hier seit über 20 Jahren unterwegs ist. Entsprechend lässig geht der die Sache auch an, nicht ohne den Frischling darauf hinzuweisen, dass jede Unachtsamkeit schwerwiegende Folgen haben kann.

Nicht nur Polizisten-Mörder unterwegs

Die Warnung kommt nicht ganz von ungefähr, denn im Gebiet der beiden sind zwei Polizisten-Mörder flüchtig. Die ersten Erfahrungen jedoch, die Holland sammelt, sind weit ungefährlicher. Betrunkene Autofahrer, durchgedrehte Ehefrauen, ein ausgebranntes Auto und rachsüchtige Polizei-Kollegen. Diese lassen ein erstes Mal den Blutdruck hochschnellen. Denn die Undercover-Leute sind eindeutig auf einer Rache-Tour und weit jenseits dessen unterwegs, was das Gesetz zulässt.

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Wie schmal der Grat zwischen Recht und Unrecht ist, wird Nick in dieser Nacht noch erleben. Ausgerechnet sein erfahrener Kollege soll ein aufwühlendes Beispiel liefern.
Sicher, was Joel Souza hier in seinen Episoden-Film gepackt hat, ist auch für einen Crime-Schwerpunkt wie L.A. zu viel für eine Nacht. Anstatt eine Geschichte von Anfang bis Ende zu verfolgen konzentriert sich der Streifen eher darauf, was so typisch sein kann an Ereignissen, die die Polizei beschäftigt. Dennoch rahmt ein Fall den Gesamtplot, denn natürlich treffen die Cops irgendwann auf die Mörder ihrer Kollegen. Und auch der Fall der Undercover-Polizisten wie das, was der Begleiter des Anfängers noch veranstalten wird, sollen symptomatisch dafür sein, dass Gewalt und Gesetzesbruch von verschiedenen Seiten ausgehen können.

100 tote Cops pro Jahr

Aber natürlich zeichnet der Actioner in erster Linie ein positives Bild vom einfachen „Streifenpolizisten“. Wäre der Film nicht im vergangenen Jahr produziert worden, könnte mancher annehmen, es sollte eine Art Reinwaschung der Cops sein. Tatsache ist sicher, dass die meisten von denen mit Leib und Seele ihren Job auf ehrliche und aufopferungsvolle Art versehen, die Schwarzen Schafe die berühmten Ausnahmen sind. Beides stellt Souza exemplarisch in den Mittelpunkt. Aber: Über 100 Polizisten sterben jährlich in den Staaten im Dienst, was kaum jemand ernsthaft thematisiert. Wer sich „Im Netz der Gewalt“ ansieht, kann zumindest nachvollziehen, wie gefährlich die Wirklichkeit ist.

Im Netz der Gewalt


Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 110 Minuten; Verleih: Capelight; Regie: Joel Souza; Bridget Moynahan, Thomas Jane, David Krumholtz; USA 2019