Früh die Eltern verloren, vom Vormund in eine düstere Fabrik abgeschoben, sieht das Leben nicht gerade rosig aus für David Copperfield. Im viktorianischen England nimmt niemand Rücksicht auf Verlierer.

Geschichte, die das Leben schrieb

Doch David rappelt sich und hat auch ein wenig Glück. Die Tante, die ihn einst verstieß, weil sie eine Nichte statt des Neffen wollte, hilft ihm zurück ins Leben. Und als junger, wissbegieriger Mann findet Copperfield seinen Weg. Nun ist er es wiederum, der anderen und vor allem alten Weggefährten zur Seite steht, bevor das Schicksal abermals unbarmherzig zuschlägt.
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David steht erneut auf und kann dank seiner mittlerweile großen Lebenserfahrung trotz seines jungen Alters auch diese Niederlagen hinter sich lassen. Und so steht er eines Tages vor einem großen Publikum und wird gefeiert für die Geschichte, die ja eigentlich nicht er, sondern sein Leben schrieb.

Moderner Dickens

Und die stammt natürlich von Charles Dickens. Dessen halb-biografische Vorlage hat Armando Iannucci in einem wunderbaren Film neu interpretiert und die Chance genutzt, dem Ganzen ein modernes Antlitz zu geben. Rein äußerlich ist das an der Verwendung verschiedener Ethnien zu erkennen. Dev Patel beispielsweise spielt die Hauptrolle. Vielleicht unbewusst hat sich der Regisseur aber am Schauspieler indischer Abstammung auch bei der Inszenierung orientiert. Dessen berühmter Spruch „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch nicht das Ende“ aus „Best Exotic Marigold Hotel“ fand hier insofern Verwendung, als dass die Geschichte als Geschichte vom Ergebnis her erzählt wird.

Film für Genießer

Für den Zuschauer hat das den Vorteil, dass der sich zurücklehnen und genießen kann. Das tolle Ensemble, die teils kruden Charaktere, die authentischen Kulissen, den feinen Humor, die vielen Details. Hier gibt es jede der knapp 120 Minuten etwas zu entdecken. Wenn man dem Regisseur überhaupt einen Vorwurf machen will, dann vielleicht, dass die Inszenierung einen Tick zu leicht daherkommt, selbst in dramatischen Momenten, wozu unzweifelhaft der Charakter Patels beiträgt. Am Ende ein echtes (Film)Erlebnis.

David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück


Genre: Unterhaltung; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 119 Minuten; Verlein eone; Regie: Armando Iannucci; Dev Patel, Hugh Laurie, Tilda Swinton; GB 2019