Erst der Typ mit der Machete, dann die Wahnsinnigen am MG im Hubschrauber gegenüber und wenn er die auch überlebt hat, kommen die verrückten Amazonen, die aus einem Mini-Van heraus schießen. Was wie ein schlechter Albtraum klingt, ist für Roy Pulver blutige Realität. Jeden Tag aufs neue.

Nur ein Tag - jede Menge Zeit

Denn das Ex-Mitglied der Delta Forces hängt in einer Zeitschleife fest. Er weiß weder, warum, noch, wieso ihn all diese Typen umbringen wollen. Er schafft, egal, was er anstellt, es immer genau bis zu einer bestimmten Uhrzeit, zu überleben. Dann ist ultimativ Schluss. Pulver macht das beste draus und gibt sich in einer Bar stets die Kante, bis ihm jemand das Licht ausknipst. Doch eines Tages will es der Zufall, dass er drei Minuten nach der eigentlichen Endzeit immer noch atmet. Und das macht ihn stutzig.
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So nutzt er jeden Tag, etwas mehr Einblick in die Geschichte zu bekommen. Und je tiefer der ist, desto klarer wird, dass es hier um etwas größeres geht. Und das hat ganz offensichtlich mit der Mutter seines Sohnes und deren Boss zu tun. Da nur Pulver von den steten Wiederholungen weiß, kann er sich an jedes Thema heranarbeiten und es für alle anderen zu erstaunlicher Perfektion bringen. Damit ist das Überraschungsmoment klar auf seiner Seite. Als Roy ein Ziel sieht, das auch sein altes Leben etwas verändern könnte, fasst er einen abenteuerlichen Plan. Eigentlich ist dafür die Zeit knapp, aber er hat andererseits auch jede Menge davon.

Time Loop mit hoher Geschwindigkeit

Zeitschleifen-Geschichten kommen natürlich nicht am Grundgerüst vom Murmeltier vorbei. Und so baut auch Joe Carnahan seinen Film nach diesem Muster auf. Anders als Bill Murray im Klassiker oder Tom Cruise im wahnwitzigen „Edge of Tomorrow“ geht es bei Frank Grillo nicht nur um die Perfektion der jeweiligen Abläufe. Das Script sieht hier durchaus eine Weiterentwicklung, indem sich neue Handlungsstränge und auch Aufgaben ergeben. Weil dem so ist, hat der Time Loop teils eine enorme Geschwindigkeit. Dabei berücksichtigt Carnahan durchaus, das der geneigte Zuschauer mit dem Grundprinzip der Zeitschleife vertraut ist und kürzt daher bestimmte Vorgänge auch im Sinne einer straffen Handlung ab. Zeit nimmt man sich dennoch, um immer mal wieder unterhaltsame Elemente mit einzustreuen.

Frank Grillo zeigt Nehmerqualitäten

In Sachen Story ist „Boss Level“ damit gut aufgestellt. Bei der Besetzung aber nicht minder. Dabei ist weniger Mel Gibson gemeint. Denn dem wird ebenso wie Naomi Watts eher nur wenig Leinwandzeit zuteil. Die Hauptarbeit hat Frank Grillo zu leisten, der nicht nur seine Muckis durch die Gegend trägt, sondern auch außergewöhnliche Nehmerqualitäten zeigt. Sein Job ist dabei vor allem die Action und sehenswert viele Tode zu sterben. Wirkliches Mienenspiel wird wohl niemand erwarten und auch dialogseitig hält sich seine Rolle Roy zurück. Der erklärt vor allem aus dem Off heraus, was man nicht zwingend zu sehen bekommt.

Streitbares Ende

Carnahan gelingt insgesamt eine unterhaltsame wie spannende und abwechslungsreiche Neuauflage einer Zeitschleifengeschichte. Lediglich der Schluss wird nicht allen gefallen. Wenn der als Cliffhanger zu verstehen ist, dann mag man ihn noch akzeptieren. Wenn nicht, hat den Machern Mut oder Einfallsreichtum gefehlt, die Sache originell zu Ende zu bringen.

Boss Level


Genre: Action; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 94 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Joe Carnahan; Frank Grillo, Mel Gibson, Naomi Watts; USA 2021