Nicht der Kampf gegen den Klimawandel, sondern die Anpassung an denselben hat Miami verändert. Steigende Meeresspiegel setzten die Stadt unter Wasser, die Hitze sorgt bei Tage für leere Straßen. Boote statt Autos und noch mehr Nachtleben, so sieht Floridas Hotspot in naher Zukunft aus. Nick Bannister allerdings ist eigentlich nur in der Vergangenheit unterwegs. Und zwar in der anderer Leute.

Erinnerungen in 3-D

Der ehemalige Privatdetektiv betreibt ein Studio, in dem Menschen mittels aufwendiger Technik gedanklich zurückreisen können. Bannister und seine Mitstreiterin Watts erleben das in Form einer holografischen 3-D-Darstellung. Das wird genutzt, um einfach nur dem Alltag zu entfliehen, liebe Verstorbene noch einmal zu treffen oder auch Dinge zu klären, die bisher im Verborgenen geblieben sind.
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So wird der Privatschnüffler gern von der Staatsanwaltschaft engagiert, um Kriminalfälle zu lösen oder von Mitmenschen, die etwas verlegt haben und sich partout nicht erinnern können, wo es ist. So wie Mae, die eines Tages auftaucht. Der Schlüssel ist schnell gefunden, aber die junge Frau hat eine ungeheure Wirkung auf Nick. Schnell entwickelt sich eine Affäre, doch nach ein paar Wochen ist die neue Liebe plötzlich verschwunden. Und von nun an kreuzen sich private und dienstlichen Interessen. Denn Bannister lässt keine Gelegenheit ungenutzt, das Schicksal von Mae zu klären. Dabei stößt er nicht nur auf eine Verschwörung, sondern lernt auch die andere Seite der Angebeteten kennen.

Von Total Recall bis Westworld

In Gedanken reisen war das große Thema von „Total Recall“, bei dem sowohl Arnorld Schwarzenegger wie auch Colin Farrell ein Actionfeuerwerk abgebrannt haben. Nun steht Hugh Jackmann im Focus und auch der ist durchaus bekannt für kurzweilige Unterhaltung. Allerdings hat sich Lisa Joy - die einst das Westworld-Universum mit erfand und hier nun Buch und Regie verantwortet - noch weiter in der Vergangenheit orientiert. Es ist der Film-Noir aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Entsprechend finden wir einen inhaltlichen und bildlichen Mix vor, der eine Zeitspanne von gleich mehreren Jahrzehnten umfasst. Einerseits hypermodern, den aktuellen Geschehnissen angemessen, dann nostalgisch bis ins Detail in Sachen Licht/Schatten, Kleidung, Auftritt.

Frankfurt (Oder)

Film Noir in der Zukunft

Doch die Mischung gefällt über weite Strecken recht gut, wobei die Geschichte auch ohne den Querverweis zum steigenden Meeresspiegel funktioniert hätte. Das ist eher ein optisches Gimmick. Bis zur großen Verwunderung, wer die offensichtlich immer noch mysteriöse Unbekannte wirklich ist, bleibt die Handlung spannend. Danach allerdings wäre ein deutlich flotteres Tempo angebracht gewesen, was uns Joy aber verwehrt. Und da Jackman bis auf eine Szene auch jeglicher Action entsagt, zieht sich der zweite Teil der Geschichte deutlich. Am Ende haben wir dann tatsächlich so etwas wie einen Philip Marlowe in der Zukunft, die melancholisch-emotionale Schlusseinstellung inbegriffen.

Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie

Genre: Thriller; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 116 Minuten; Verleih: WHV; Regie: Lisa Joy; Hugh Jackman, Rebecca Ferguson, Thandiwe Newton; USA 2021