Seit eineinhalb Jahren ist die Erde nicht mehr die selbe. Monstermäßige Aliens machen Jagd auf alles, was ihnen in die Quere kommt. Vorausgesetzt, sie können die Beute hören. Denn die Außerirdischen sind blind und haben auch kein Geruchssinn. Dafür ein unglaubliches, räumliches Gehör. So ist der Planet ein ruhiger geworden, denn die noch lebenden Menschen versuchen möglichst, keine Geräusche zu machen.

Ton gegen den Terror

Was natürlich nur die halbe Wahrheit ist. Denn zum Überleben gehören auch Nahrung, Kleidung und vieles andere mehr. Wenn die Erzeugung aber nicht lautlos funktioniert, wird nur noch wenig hergestellt, alles ist knapp. In dieser Umgebung versucht Evelyn Abbott mit ihren beiden tauben Kindern und dem Baby zurecht zu kommen. Sie finden, wenn auch widerwillig, Aufnahme bei Emmet, der seine Familie verloren hat und mittlerweile in einer alten Industrieanlage lebt, die besonders ruhige Plätze bietet.
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Evelyn kann dafür mit etwas aufwarten, das Hoffnung macht. Denn Tochter Regan hat einen Ton entwickelt, auf den die Aliens so alergisch reagieren, dass sie bewegungsunfähig sind. Darüber hinaus empfangen die Kinder immer wieder ein Lied im Radio, das sich wie ein Hinweis auf eine friedliche Enklave anhört. Wie es scheint, befindet sich diese am oder auf dem Wasser. Und so begibt sich die ganze Gruppe auf den Weg in eine womöglich monsterfreie Zukunft.

Sci-Fi-Thema neu gedacht

Eine Handlung, die vor allem zur Einführung ins Geschehen sowie an entscheidenden Stellen versucht, möglichst jedes Geräusch zu vermeiden, ist gewissermaßen abträglich oder zumindest sehr ungewöhnlich für das Sci-Fi-Thema mit brutalen Aliens. John Krasinski hat dies jedoch schon erfolgreich bei Teil Eins etabliert und setzt dieses inszenatorische Mittel nun erfolgreich fort. Zwar unterliegt er auch hier gewissen Zwängen, dass natürlich in die Stille hinein es Ereignisse gibt, die kommen müssen - das Baby schreit, Äste knacken, etwas klappert - aber insgesamt erdet das die ruhige aber dennoch nicht weniger spannende Handlung. Dass hier ausgerechnet taube Menschen mit im Mittelpunkt stehen, die womöglich gar nicht mitbekommen (können) wenn sie Geräusche verursachen, treibt das Ganze noch auf die Spitze.

Subtiler Horror

Auch, wenn der Regisseur durchaus erfolgreich einige Jump-Scares platziert und die Alien-Animation gruselig und sehr gelungen daherkommt, so leben Plot und Stimmung vor allem von der Möglichkeit, dass etwas passieren könnte, von der latenten Gefahr also. Dieser subtile Horror war schon immer der erfolgreichste. Darüber hinaus gibt es natürlich einen satten Action-Anteil, der zumeist aber über die Bekämpfung der Feinde nicht hinausgeht. Genretypisch wird zum Ende hin nochmal ein Twist eingebaut, der kurz vor dem Finale die Spannung erhöht. Bei Lichte betrachtet ein solider Horror-Sci-Fi, den die Geräuschkomponente auch in ihrer Umsetzung deutlich aus der Masse hervorhebt.

A Quiet Place Teil 2

Genre: Sci-Fi/Horror; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 97 Minuten; Verleih: Paramount; Regie: John Krasinski; Emily Blunt, Millicent Simmonds, Cillian Murphy; USA 2021