Moose hat nur ein Ziel im Leben: So viele Memorabilien und Autogramme von Schauspieler Hunter Dunbar zu ergattern wie möglich. Am besten in Kombination. Daher ist der autistisch veranlagte Mann auch ganz aus dem Häuschen, als er von einer Autogramm-Stunde erfährt, für die er extra eine Weste gekauft hat, die der Action-Star in einem seiner Filme getragen haben soll. Doch Dunbar bricht die Session ab, bevor Moose dort überhaupt aufgetaucht ist.

Fan wird zum Stalker

Und der kann seinen Zorn ebenso wenig im Zaum halten wie seine Gefühle. Besessen davon, sein Ziel zu erreichen, setzt er alles daran, Hunter persönlich gegenüber zu treten. Egal wo, egal wie. Dabei halten Moose weder Privatsphäre noch Gesetze auf, was in einer durchaus gefährlichen Situation für alle Beteiligten kulminiert.

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Als Leadsänger von Limp Bizkit und Vice-Präsident einer Plattenfirma hat Fred Durst am eigenen Leib erfahren, wie es ist, berühmt zu sein, verehrt zu werden, Fans zu haben, die sich nicht immer an normale zwischenmenschliche Gepflogenheiten halten. Insofern zeichnet hier jemand für Drehbuch und Regie verantwortlich, der voll im Thema stecken sollte. Und mit John Travolta hat er für die Hauptrolle wiederum einen Schauspieler gefunden, der sein Geschäft bis in den letzten Winkel kennt. Dennoch gelingt es „The Fanatic“ nicht wirklich, aus der Masse der Filme zum Thema herauszustechen. Und so viele sind das eigentlich gar nicht.

Goldene Himbeere für Travolta

Das Problem liegt dabei vor allem wohl darin, dass Durst zu sehr an der Oberfläche bleibt. Warum ein Fan zum Fanatiker und schließlich zur Gefahr wird, arbeitet er nicht heraus. Er nimmt sich einen Autisten, stellt ihn als Sonderling dar und schon scheint erklärt, warum aus Verehrung Verachtung wird. Mal abgesehen davon, dass das gegenüber den Menschen mit jener Entwicklungsstörung sehr verallgemeinernd und ungerecht wirkt, es trifft ganz sicher auch nicht den Kern. Denn die meisten Fanatiker, die auch zu Stalkern werden, sind sicher "normal“ herangewachsen.
John Travolta hängt sich ungeachtet dessen richtig rein. Sein Spiel grenzt an Selbstverleugnung und ist auf Dauer gar schwer erträglich. Über sein unmögliches Aussehen in Sachen Frisur, Kleidung, Körperhaltung sei hier mal geschwiegen. Dass er dafür aber die „Goldene Himbeere“ als schlechteste Schauspielleistung des Jahres erhielt, setzt der Ignoranz auf der Seite der „Preisverleiher“ die Krone auf. So treffen hier zwei unglückliche Konstellationen aufeinander. Durst liefert nicht, wie erwartet und Travolta versucht daraus mehr zu machen, als möglich ist. Fans beider Herren sei der Streifen dennoch empfohlen, weil er Seiten von ihnen zeigt, die bisher eher unbekannt waren.

The Fanatic


Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 89 Minuten; Verleih: Koch; Regie: Fred Durst; John Travolta, Devon Sawa, James Paxton; USA 2019