In Europa tobt seit zwei Jahren der große Krieg. Bei all dem Leid will Forscherin Lily Houghton etwas zur Linderung beitragen. Sie hat von einem Baum gehört, dessen Blüten alles heilen können. Sie braucht eigentlich nur noch das notwendige Artefakt, entsprechende Karten und einen Skipper, der sie durch den nahezu undurchdringlichen Dschungel des Amazonas schippert.

Wettrennen auf dem Amazonas

Dafür ist Frank genau der richtige. Ein Kerl wie ein Baum, mutig, erfahren und - hoch verschuldet. So sehr, dass er jeden Job annimmt. Eben auch jenen, den alle anderen ablehnen. Ja, von der wundersamen Pflanze haben hier im Mündungsgebiet schon viele gehört. Gefunden indes hat sie noch niemand. Und auch der Wille, bis in den letzten Winkel vorzudringen, hält sich in Grenzen. Denn der Lebensbaum soll auch mit einem Fluch belegt sein.
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Das freilich schreckt Lily wenig. Denn die taffe junge Frau ist gewohnt, sich zu nehmen, was sie begehrt. Damit allerdings ist sie nicht allein. Ein deutscher Adliger ist nämlich ebenfalls auf der Suche nach der Wunderpflanze. Verspricht er sich doch davon, damit den Weltkrieg fürs Kaiserreich entscheiden zu können. So wird aus der Jagd nach den „Tränen des Mondes“ auch noch ein Wettrennen mit ziemlich ungerecht verteilten Chancen. Während die Britin auf Franks klapprigen Seelenverkäufer vertrauen muss, nimmt das Blaublut die Aufgabe mit einem niegelnagelneuen U-Boot in Angriff. Allerdings fehlen ihm gleich zwei andere Voraussetzungen: Die Unerschrockenheit von Lily und die Erfahrung von Frank, die sich in Jahren eigentlich kaum messen lässt.

Zwischen Indiana Jones und Pirates of the Carribean

Es ist sicher kein Spoiler hier zu verraten, dass die Sache gut ausgeht. Denn das Ende ist eigentlich auch nicht die wirkliche Überraschung, zumindest vom puren Ergebnis her. Für Jaume Collet-Serra, der bisher gute Referenzen im Action-Kino hat, ist vor allem der Weg das Ziel. Und da haben alle Abteilungen der Filmcrew wirklich herausragende Arbeit geleistet. Denn auch, wenn der Plot irgendwann zu einer Mischung aus Indiana Jones und Pirates of the Carribean gerät, so bewahrt er sich doch über weite Strecken seine Einzigartigkeit.

Stimmige Geschichte

Die Handlung ist abwechslungsreich, rasant, auch spannend und natürlich mit einer ordentlich Prise Humor gewürzt. Hier ist es vor allem das Buddy-Team Emily Blunt und Dwayne Johnson, das sich die Bälle zuwirft. Dass daraus auch noch eine leichte Lovestory wird, war allerdings fast zu erwarten. Weniger der Background von Frank, der nach etwas mehr als der Hälfte für eine faustdicke Überraschung sorgt. Inhaltlich ist das alles ungemein stimmig und eingebettet in eine familientaugliche Geschichte. Die wird durch eine sagenhafte Bildfolge unterstützt. Der Dschungel, der Amazonas, das Abenteuer - alles wirkt ungemein lebendig, wobei man nicht mehr unterscheiden kann, was Realfilm und was animiert bzw. computergeneriert ist. Last but not least passt auch der Score, in dem gar ein Instrumental-Sample von Metallica Berücksichtigung findet.

Modernes, klassisches Abenteuer

Collet-Serra inszeniert hier einen geradezu klassischen Abenteuer-Film, der aber dennoch allen modernen Seh- und Unterhaltungsanforderungen gerecht wird. Auch die Einbettung der Geschichte in die der Menschheit passt, wenngleich hier vielleicht etwas hoch gegriffen wurde. Denn das hehre Ziel, die Kriegsleiden zu mindern, spielt dann nach dem Intro keine Rolle mehr und war wohl eher der Aufhänger, der die Konkurrenz des Kaiserlich-Deutschen irgendwie erklären und ermöglichen sollte.

Jungle Cruise

Genre: Abenteuer; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 127 Minuten; Verleih: Disney; Regie: Jaume Collet-Serra; Emily Blunt; Dwanye Johnson, Jack Whitehall; USA 2021
Auf DVD, BluRay; 4K-UHD, Disney+