Guy führt eine geregeltes Leben. Aufstehen, Tagesablauf, Handlungen - alles streng normiert. Kein Wunder, denn der junge Mann im blauen Polo mit einem steten Lächeln auf dem Gesicht ist ein NPC im Videogame „Free City“. Also jemand, der für Leben in den virtuellen Straßen zu sorgen hat und bereitsteht, wenn die Avatare der menschlichen Gamer jemanden brauchen, den sie ausrauben, über den Haufen fahren oder einfach nur abballern wollen.

Algorithmus trifft Leben

Doch eines Tages gerät der stets gleiche Hergang ins stocken. Grund dafür ist - natürlich - eine Frau. Genauer gesagt Molotovgirl. Die wiederum ist im Gegensatz zu Guy eben kein Non Player Character, sondern die Spielfigur von Millie, einer geschassten Programmiererin eben jenes Spiels. Zumindest behauptet sie das und mehr noch, dass der derzeitige Eigner „Free City“ auf der Basis ihres Grundcodes entwickelt hat. Und nach dem sind alle Figuren, also auch die NPCs, in der Lage, zu lernen und Gefühle zu entwickeln. Der Algorithmus clasht nun mit dem Leben.
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Genau das also passiert nun mit Guy, der sich unsterblich in Molotovgirl verliebt und somit Millie helfen will, in den Bits und Bytes von Free City die Beweise zu finden, dass der berühmte Antwan das Spiel geklaut hat. Der wiederum ist natürlich nicht bereit, klein beizugeben und hetzt seinerseits sein Avatar und die seiner Angestellten auf das ungleiche Paar. Als auch dies nicht zu helfen scheint, will er das Game gar rebooten. Damit jedoch würden alle Fortschritte im Verlauf gelöscht und Guy wäre einfach nur wieder Guy, der NPC.

Wie Deadpool, nur besser

Schon in Deadpool hat Ryan Reynolds überzeugend bewiesen, dass ihm abgedrehte Comic-Rollen liegen. Hier nun geht er gar einen Schritt weiter, verlässt die reale Welt zugunsten der virtuellen. Wobei das Leben dort natürlich wieder real dargestellt wird. Meistens zumindest. Das gibt Raum für verrückte Einfälle und ein gerüttet Maß an überbordenden Spezialeffekten, die Shawn Levy reichlich einzusetzen weis. Somit ist die Handlung rasent, schrill bunt und actionlastig.

Unterhaltung mit Tiefsinn

Aber die Geschichte geht, obwohl der Plot eigentlich relativ einfach gehalten ist, weit über das pure Entertainment hinaus. Da wäre natürlich die Love Story von zweien, die eigentlich nie zueinander finden können. Der Klassiker. Dann ist die wirklich gekonnte Umsetzung der Spielewelt in einem Realfilm sehr gelungen. Hier haben natürlich die CGI-Experten einen großen Anteil an der sehenswerten Show. Aber letztlich ist „Free Guy“ auch ein stückweit Kritik, wie Gameinhalte gestaltet und wie miteinander umgegangen wird. Die Vermenschlichung der NPCs hebt allerdings nur soweit den Zeigefinger, dass die Mahnung subtil bleibt und nicht den Spaß an der Sache verdirbt. Am Ende erlebt der Zuschauer perfektes, buntes Popcorn-Kino mit einem kleinen Schuss Nachdenklichkeit. Sehr gelungen.

Free Guy

Genre: Komödie; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 115 Minuten; Verleih: 20th Century Studios; Regie: Shawn Levy; Ryan Reynolds, Jodie Comer, Taika Waititi; USA 2021
Auf Disney+, BluRay und DVD