Seinen ersten Berlin-Einsatz musste Fielding Scott Hals über Kopf abbrechen. Ein Kollege wollte den MI6-Agenten töten, starb bei dem Versuch. Nun soll der Brite zurück in die geteilte Stadt. Denn ein ostdeutscher Wissenschaftler will in den Westen, nebst einer revolutionären Erfindung.

Maulwurf in den eigenen Reihen

Da sich Scott und der Physiker von früher her kennen, besteht letzterer darauf, dass nur der alte Bekannte die Aktion leitet. Das wiederum schützt Fielding vor jenen im Geheimdienst, die ihm eine aktive Mitschuld am Tode des Kollegen geben. Wieder in Berlin überschlagen sich dann die Ereignisse. Am Ende misslingt die Flucht und der Agent muss sich erneut erklären, was schiefgelaufen ist. Dabei deutet alles darauf hin, dass es bei den Briten einen Maulwurf gibt. Den zu enttarnen allerdings erweist sich als fast unlösbar Aufgabe.
Youtube

Youtube

Denn auch innerhalb der westlichen Dienste traut man sich nur so weit, wie man sich gegenseitig beobachten kann. Dazu kommen persönliche Ambitionen des einen oder anderen Mitarbeiters über die Sektorengrenzen hinaus. Dabei kann jede Fehleinschätzung, jeder Fehltritt fatale Folgen haben. Denn im Frühjahr des Jahres 1961 ist die Lage in der Frontstadt mehr als angespannt, steht der Mauerbau kurz bevor.

Frontstadt im Kalten Krieg

Wenn eine Stadt für Agentengeschichten prädestiniert ist, dann das Berlin der Nachkriegsjahre. Vier Mächte mit vier verschiedenen Interessenlagen bieten jede Menge Möglichkeiten für Verschwörungen, verdeckte Operationen, Intrigen und Verrat. Aus diesem Fundus schöpft auch der Sechsteiler. Die Zusammensetzung der Geschichte ist dabei klassisch. Ein wichtiger Überläufer, Verräter in den eigenen Reihen, eine Lovestory unter den Agenten und nicht zuletzt noch der Erpressungsversuch einer ostdeutschen Angestellten.

Mauerbau in Sicht

Der Nazi-Kameradschaft im Osten hätte es vielleicht nicht mehr bedurft, aber auch die passt sich in die Geschichte ein. Die erzählt Miguel Alexandre vor allem zu Beginn vielleicht etwas zu gemächlich. Andererseits ist man sehr darauf bedacht, die angespannte Stimmung in der Stadt in Anbetracht der vielen Flüchtenden, des sich anbahnenden Mauerbaus und der latenten Kriegsgefahr möglichst authentisch rüberzubringen. Das gelingt. Und dazu sehr sehenswert. Denn die Kulissen sind wirklich gelungen. Die Einspieler aus originalem Filmmaterial sind da fast überflüssig. Großartig auch der Cast, der sich teils aus den dargestellten Nationalitäten zusammensetzt. Insgesamt eine spannende und unterhaltsame Zeitreise ins heiße Berlin, mitten im kalten Krieg.

Spy City Staffel 1

Genre: Thriller, FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 280 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Miguel Alexandre; Dominic Cooper, Romane Portail, Leonie Benesch; USA 2020