Seine Rückkehr in die Heimatstadt hatte sich Aaron Falk etwas anders vorgestellt. Vor mehr als 20 Jahren war er eher unfreiwillig gegangen, ebenso unfreiwillig kommt er nun wieder in das Kaff irgendwo im australischen Outback. Der Anlass ist ein trauriger.

Mord von heute, Tote von früher

Denn Falks bester Jugendfreund soll dessen ganze Familie gemeuchelt haben. Ein letzter, kurzer Gruß am Grab ist das Mindeste, was Aaron Luke schuldig ist. Der allerdings wird vom ganzen Ort nur als Mörder verdammt. Dennoch wollen dessen Eltern, dass der ehemalige Kumpel bleibt. Als Bundespolizist hat der sich nämlich einen Namen mit besonders komplizierten Fällen gemacht. Und das hier scheint einer zu sein. Luke ein Mörder, Falk kann das nicht glauben.
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Zu sehr haben die beiden eine gemeinsame Vergangenheit. Denn vor 20 Jahren kam Ellie, damals Aarons Freundin, unter mysteriösen Umständen ums Leben. Nicht wenige im Ort machen heute noch Falk und Luke dafür verantwortlich. Um so mehr fühlt sich der Federal Agent verpflichtet, Licht auch in den aktuellen Fall zu bringen. Doch er muss als Privatperson ermitteln, was ihn angreifbar macht. Hilfe kann er nur wenig erwarten, da die Mehrheit des Ortes hinter Ellies Vater und Bruder steht, die den Beamten lieber heute als morgen wieder gehen sehen würden. So schmerzhaft die ganze Angelegenheit auch für Aaron ist, er kommt der Wahrheit offensichtlich immer näher. Und diese ist schrecklicher, als er es jemals erahnt hätte.

Bedrückende Atmosphäre

324 Tage ohne Regen haben die Bewohner der Kleinstadt schon mürbe gemacht. Und nun auch noch ein Dreifach-Mord und ein ungeklärter Tod in der Vergangenheit. Jane Harper zieht alle Register in ihrem Bestseller „Hitze“, dessen Verfilmung nun den Namen Dürre bekommt. Robert Connolly lässt diese bedrückende Atmosphäre für den Zuschauer erlebbar werden. Geschickt platziert der Regisseur zwei Geschichten nebeneinander, die womöglich miteinander zu tun haben. Ständig springt er mit der Handlung in die Vergangenheit zurück und zeigt so auch die innere Zerrissenheit seiner Hauptfigur.

Eric Bana Star im Mittelpunkt

Eric Bana in der Rolle des Aaron steht dabei stets im Mittelpunkt der Handlung, ohne dass er sie bestimmen würde. Connolly nimmt seinen Star immer wieder zurück, wenn es in Sachen Story angeraten scheint. So wird die gesamte Stadtgemeinschaft mit einbezogen, die in größtmöglicher Breite und Vielfalt dargestellt wird. Das ist sehr authentisch. Dazu vermeidet der Regisseur jede Art von Hektik im Ablauf. Hier, im Outback, hat man Zeit, und das spürt der Zuschauer. So entsteht die Spannung teils allein schon daraus, dass man, wenn auch gemächlich, so doch unausweichlich auf den Höhepunkt, die Auflösung zusteuert. „The Dry“ ist einer jener Filme, die unaufgeregt für sich vereinnahmen und an deren Ende man sicher ist, wirklich spannend unterhalten worden zu sein.

The Dry - Lügen der Vergangenheit

Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 117 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Peter Raeburn; Eric Bana, Genevieve O’Reilly, Keir O’Donnell; Aus 2020