Nachdem die Männer mal wieder in einen Auslandseinsatz geschickt wurden, müssen deren Frauen daheim auf dem Stützpunkt zusehen, wie sie mit ihren Gefühlen von Angst bis Unsicherheit umgehen. Um auf andere Gedanken zu kommen, schlägt die Frau vom Colonel vor, doch einen Chor zu gründen.

Klassik gegen Pop

Das Ansinnen findet unter den Ladies einhellige Zustimmung. Der Weg, wie man es angehen will, ist dagegen umstritten. Eigentlich wäre Lisa für die Organisation zuständig, da die Verantwortung jedes Mal wechselt. Doch Kate als bessere Hälfte des Dienstgradhöchsten reißt das Kommando sprichwörtlich an sich. Nun zeigt sich, dass nicht nur in Fragen der Organisation Klärungsbedarf besteht, sondern auch beim Inhalt. Denn während die eine die eher klassische Chorrichtung bevorzugt, ist es bei der anderen die moderne Musik der Neuzeit.
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Schlussendlich setzt sich der Brit-Pop durch. Von Cindy Lauper über Depeche Mode bis hin zu Yazoo nehmen sich die Damen vor und machen beachtliche Fortschritte. So große gar, dass eine Einladung zum jährlich stattfindenden Memorial-Day in der Royal-Albert-Hall in London ins Haus flattert. Doch die Wirklichkeit auch eines entfernten Krieges reißt alle aus den Träumen und droht auf den letzten Metern das Chorprojekt scheitern zu lassen.

Vorbild für Chöre weltweit

Der beeindruckendste Moment des Filmes ist sein Abspann. Dann nämlich, wenn aus dem einen Chorbild erst vier, dann acht, dann 16, 32 usw. werden. Rund um den Globus haben sich nach dem Vorbild von Kate und Lisas Bemühungen Frauen auf britischen Stützpunkten zusammengeschlossen, um gegen ihre Angst und die Ungewissheit anzusingen. Sie alle geben jenen einen Gesicht, die hinter den Soldaten und deren Einsätzen stehen und deren Gefühle zumeist in der öffentlichen Darstellung vergessen werden.

Humor very british

Peter Cattaneo setzt ihnen geradezu ein Denkmal. Und dies ist um so sehenswerter, weil es weder vor Pathos noch vor Patriotismus strotzt. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte pickt sich nicht die ehren- oder heldenhaften Verhaltensweisen der Daheimgebliebenen heraus, sondern zeigt im Gegenteil, wie sie leiden und womit sie versuchen, psychisch den Belastungen entgegen zu wirken. Sei es übermäßiges Shopping oder reichlich Alkoholgenuss, auch die negativen Seiten werden nicht ausgespart. Und dennoch ist der Plot weder weinerlich noch wirklich dramatisch. Im Gegenteil. Mit feinem und sehr britischen Humor geht der Regisseur die Sache an. Dies widerspiegelt sich auch in der Besetzung, bei der querbeet Typen hergenommen wurden, wie man sie in der Bevölkerung vorfindet. Und auch das very british.

Wohlfühlkino pur

Ob man die Handlung hätte über fast zwei Stunden hinziehen müssen, sei einmal dahingestellt. Doch vom Wohlfühl- und Unterhaltungsfaktor lohnt der Streifen allemal. Und auch die musikalische Seite sollte nicht verachten, wer auf Brit-Pop steht.

Mrs. Taylor's Singing Club


Genre: Unterhaltung; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 112 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Peter Cattaneo; Kristin Scott Thomas, Sharon Horgan, Emma Lowndes; GB 2019