Vor drei Jahren hat Michel Houellebecq seinen Roman veröffentlicht, just an jenem Tag, an dem Islamisten zwölf Mitarbeiter des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ ist Paris erschossen. Seitdem ist das Buch Skandal, Zankapfel und Zukunftswegweiser für jede politische Richtung. Die einen sehen ihre schlimmsten Alpträume bestätigt, andere wiederum eine ganze Religion verunglimpft. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise war kaum eine neutrale Bewertung des Werkes zu erwarten. Und auch die Verfilmung durch den RBB entzieht sich dieser. Dies geschieht allein schon dadurch, dass der Inhalt gleich zweimal einer subjektiven Brechung unterworfen wird. Denn der Film von Titus Selge konzentriert sich in erster Linie auf das Theaterstück „Unterwerfung“ am Hamburger Schauspielhaus, bei dem der Onkel des Regisseurs, Edgar Selge, den Alleinunterhalter gibt. Ein rotierendes, stilisiertes Kreuz als einzige Bühnendeko ist der Hintergrund für den Monolog Selges, der die Geschichte aus der Sicht von François erzählt. An bestimmten Stellen dann wechselt die Perspektive aus der Erzähler- in die Betrachter-Position des Filmes, in dem wiederum Selge als Hauptfigur auftritt und mitunter auch in die Kamera spricht, also wieder zur Erzähler-Position zurückkehrt. Mit diesem Kunstgriff vermeidet man die eher fernsehuntaugliche Theaterdarstellung und zugleich, das Buch filmisch komplett umsetzen zu müssen. Der Mix ist ein durchaus interessanter, zumal der Hauptdarsteller in beiden Darstellungsformen hervorragend agiert. Inhaltlich freilich bleibt das Ganze trotz aller Auflockerungen ein Gratwanderung zwischen Vision und Provokation. Denn Houellebecqs Vorwurf an die Mitte-Links-Fraktion, die Aufgabe der europäischen Identität zugunsten einer islamischen aus Angst vor einem rechts-nationalen Staat, bleibt erhalten. Und ebenso die ernüchternde Wahrheit, dass sich die Hälfte der Bevölkerung, nämlich die männliche, dies aus persönlichen Vorteilen heraus gefallen lässt.
Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 90 Minuten; Verleih: Studio Hamburg; Regie: Titus Selge; Edgar Selge, Alina Levshin, Matthias Brandt; D 2018
Achtung Verlosung: Es gibt die DVD sowie das Buch von Michel Houellebecq zu gewinnen. Wer Interesse hat sendet eine Mail an: gewinnspiel@moz.de