Während des II. Weltkrieges ließen die Japaner auf der Insel Hashima Koreaner in der dortigen Kohlemine schuften. Den unmenschlichen Bedingungen fielen die Gefangenen aber nicht nur unter Tage zum Opfer. Kein Wunder, dass sie einen Ausbruch planten.

Auch Minderjährige ins Bordell

Wegen ihrer Form auch Battleship Island genannt, ist Hashima vor allem wegen der Mine wichtig für die japanische Kriegsproduktion. Regelmäßig deportiert die Besatzungsmacht daher Gefangene aufs Eiland, um die menschlichen Verluste durch Unfall, Krankheit oder Bestrafung auszugleichen. Unter den Neuankömmlingen ist auch der Musiker Lee Kang-ok, der einem relativ bekannten Tanzensemble vorsteht. Als Unterhalter der Japaner kann er zwar die Grubenarbeit vermeiden, doch seiner minderjährigen Tochter droht die Abschiebung ins Bordell.

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Choi Chil-sung, im „zivilen“ Leben Gangster, rückt kurz nach Eintreffen gleich die Hierarchie der koreanischen Selbstverwaltung unter Tage zurecht, weiß aber, dass auch als Mittler zwischen den Hausherren und den Zwangsarbeitern seine Tage gezählt sind. Beide planen mit anderen einen Ausbruch, gegen den sich ausgerechnet Park Moo-young stellt. Der ist ein bekanntes Mitglied des koreanischen Widerstandes, den selbst die Japaner nur mit Samthandschuhen anfassen.

Südkoreanischer Monumental-Film

Mit enormen technischen und personellen Aufwand hat Ryoo Seung-wan ein auf wahren Tatsachen beruhendes Monumentalwerk erschaffen. Er bündelt dabei die menschenverachtende Zwangsarbeit mit individuellen Schicksalen und Verhaltensweisen. Denn nicht die plakativ großen Ereignisse unter und über Tage, sondern vielmehr die vielen kleinen Gegebenheiten, deren Brutalität sich oft erst auf den zweiten Blick erschließt, sind es, die dem Zuschauer wirklich zusetzten.

Visuell beeindruckendes Drama

Der muss sich allerdings mit den typischen Darstellungsweisen asiatischer Filme anfreunden, bei denen mitunter ein Hang zum Overactiong besteht. Auch mutet eigenartig an, dass, da alles deutsch synchronisiert wurde, Japaner und Koreaner bei Gesprächen gedolmetscht werden, sich die Dialoge also wiederholen. Nicht zuletzt hat sich Ryoo Seung-wan viel vorgenommen und braucht zweieinhalb Stunden, um das Werk zu Ende zu bringen. Das ist lang. In der Aussage allerdings ist der Streifen eindeutig und visuell durchaus beeindruckend in Szene gesetzt worden.

Battleship Island


Genre: Kriegsfilm; FSK: 18 Jahre; Laufzeit: 151 Minuten; Verleih: Koch; Regie: Ryoo Seung-wan; Jung-min Hwang, Ji-seob So, Joong-Ki Song; Kor 2017