Angefangen im Herkunftsland des Stoffes. Denn in Monterrey versuchen Drogenbanden gerade, ihr Terrain neu zu sortieren. Dabei mischt eine Einheit der Armee mit, die eigentlich für die Drogenbekämpfung gegründet worden war. Ebenfalls nicht gerade typische Kuriere sind die Familie Lynwood. Als Reeder verdienen sie sich mit illegalen Geschäften ein ordentliches Vermögen dazu. Und schließlich ist da Don Mino. Das greise Oberhaupt wehrt sich mit allen Kräften gegen die Machtübernahme durch seinen Enkel. Weil der den Alten nicht direkt aus dem Verkehr ziehen kann, versucht er, die Kokain-Lieferung zu sabotieren. Doch wenn ein Glied der Lieferkette geschwächt wird, hat dies Folgen weit über den reinen Transport der Drogen hinaus.
Stefano Sollima hat schon eindrucksvoll bewiesen, dass er spannende Narco- und Mafia-Action inszenieren kann. Mit "ZeroZeroZero" nun schlägt er die Brücke von Mexiko (Sicario 2) nach Italien (Gamorra) - also zwischen den Eckpfeilern seiner filmischen Highlights. Dabei macht er vieles richtig. Die ersten zwei Folgen, denen er persönlich vorstand, haben alles, was der Freund des Narco- und Mafia-Genres sich wünscht. Exotische Orte, düstere Gestalten, Intrigen, Thrill und natürlich reichlich Action. Dabei springt die Handlung zwischen den Kontinenten ebenso hin und her wie zwischen den Zeiten. Denn der Blick auf ein und dasselbe Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln, und das nacheinander, gehört zum prägenden Stilmittel des Achtteilers.
Während also die ersten zwei Stunden ins Geschehen einführen - was bei Lichte betrachtet lediglich das Drogengeschäft und den Transport von Mittelamerika über den Atlantik nach Europa umfasst - widmen sich die weiteren Folgen dann Teilabschnitten. Der stete Wechsel, der zu Beginn für reichlich Tempo über das der eigentlichen Handlung hinaus, sorgt, fällt später weitestgehend weg, was zu einer deutlichen Verlangsamung des Plots führt. So zieht sich das Geschehen gerade im Mittelteil hin. Das wiederum zwingt den Zuschauer förmlich, die Folgen möglichst in kurzen Abständen zu schauen, da man sonst der Anknüpfungspunkte für die anderen Blickwinkel nicht mehr gegenwärtig ist. Kurzum, "ZeroZeroZero" startet sehr stark, lässt dann aber deutlich nach, um zum Ende hin wieder anzuziehen, wenn die Handlungsstränge vereint werden. Sicher hätte der Plot auch gut in ein, zwei Folgen weniger untergebracht werden können.
Die ganze Zeit über sehenswert ist das Setting dies- und jenseits des Atlantiks, auf demselben und in Afrika, wohin die Handlung einen Schlenker macht. Ebenso geben die Hauptakteure über die volle Länge ihr Bestes, soweit das Drehbuch dies zulässt. Sollima und sein Regiekollegen haben hier ohne Frage eine spannende Narco-Serie auf die Beine gestellt, die sich dem Thema in seiner ganzen Komplexität stellt.
Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 480 Minuten; Verleih: studiocanal; Regie: diverse; Andrea Riseborough, Giuseppe De Domenico, Dane DeHaan; I 2019