In tiefster Nacht und mitten in einem Unwetter verschafft sich eine junge Frau in Uniform Zutritt zu einer B-17. Laut vorgelegtem Marschbefehl ist sie in geheimer Mission auf dem Weg von Auckland in Neusseland nach Samoa im Südpazifik. Die rein männliche Besatzung der Flying Fortress macht aus ihrem Unbehagen einer weiblichen Begleitung kein Hehl und verbannt sie in die Geschützkapsel unter dem Rumpf des Bombers.

Sexismus via Funk

Das ist für Maude Garrett nicht das eigentliche Problem. Denn weder Enge noch Einsamkeit bereiten ihr Sorgen, sondern vor allem, dass sie die so wichtige Tasche, die sie bei sich trägt, wegen der Platzverhältnisse bei den anderen in der Mannschaftskabine lassen muss. Die Besatzung zeigt dafür wenig Mitleid, im Gegenteil. Wohl wissend, dass die junge Frau via Funk mit verbunden ist, tauscht man sich über sie und was man so alles mit ihr anstellen könnte, aus. Geradezu ein sexistischer Redeschwall ergießt sich über den Gast. Das endet erst, als Maude geistesgegenwärtig einen japanischen Jäger abschießt. Doch diese Aktion war eigentlich nur der Auftakt zu weiteren, die alle an Bord auf eine harte Bewährungsprobe stellen sollte.
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Was für ein wilder Ritt. In etwas mehr als 70 Minuten verwurschtet Roseanne Liang gleich eine ganze Reihe von Filmgenres zu einem Ganzen. Und auf den ersten Blick passt dabei so gut wie nichts zusammen. Auch wenn ein kleiner Cartoon zu Beginn den entscheidenden Hinweis gibt. Denn zur Zeit des II. Weltkrieges wurden unerklärliche Vorkommnisse bei der Airforce gern Gremlins angelastet, die an und in den Flugzeugen ihr Unwesen trieben. Roald Dahl hat dazu im Auftrag von Walt Disney gar Geschichten verfasst.

Genremix mit Gremlins

Eines dieser bösen Tierchen spielt nun also auch hier eine Rolle und so richtig wird nicht klar, ob der Gremlin nur als Metapher dient oder das Script gar wirklich Anlehnung an Horror-Szenarien sucht. In der Folge jedenfalls gerät die Handlung komplett aus gewohnten Bahnen. Der Zuschauer sollte sich also auf eher ungewohnte Vorkommnisse einstellen, die natürlich rein logisch nicht zu begründen sind. Andererseits liefert die Geschichte wiederum einen zutiefst logischen Background, in den auch die gesamte Dialogstrecke rund um Sexismus und Feminismus eingebaut wird.

Von Hörspiel bis UHD

Denn Chloë Grace Moretz in der Rolle von Maude lässt sich von den Männern keineswegs den Schneid abkaufen. Sie wird sich letztlich als das starke Geschlecht erweisen. Die Amerikanerin ist es dann auch, die die Hauptlast der Handlung trägt. Die Herren sind buchstäblich nur die Statisten. Gut einen halben Film lang verbringt sie in der engen Geschützkuppel, was nicht nur kammerspielartigen Charakter trägt, sondern vor allem während der Eingangsgespräche viel von Hörspiel hat. Denn man sieht die anderen nicht, sondern kann sie - eine gute Raumklanganlage vorausgesetzt - nur im Flugzeug (Zimmer) orten. Während dieser und der meisten der restlichen Zeit ist das Bild vor allem eines - dunkel. Insofern macht der Griff zur 4K UHD-Version Sinn. Denn dort finden sich Abstufungen von Grau und Schwarz, so dass wenigstens noch einiges zu erkennen ist. Insgesam sehr ungewöhnlich, sicher nicht jedermanns Sache, aber durchaus unterhaltsam.

Shadow in the Cloud


Genre: Action/Horror; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 74 Minuten; Verleih: Capelight; Roseanne Liang; Chloë Grace Moretz, Nick Robinson, Beulah Koale; NZ 2020